Philippe Entremont plays Beethoven © Solo Musica
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Klavier - Philippe Entremont plays Beethoven

Bewertung:

Auf seiner neuen CD spielt der französische, längst hochbetagte Pianist Philippe Entremont vier Klaviersonaten von Beethoven, darunter die "Appassionata" und die "Mondschein"-Sonate. Der Name des Pianisten mag bei einigen Hörern noch Erinnerungen auslösen. Aber: Wer war das nochmal

Nach langen Jahren der pianistischen Sendepause meldet sich der inzwischen 85-jährige Philippe Entremont mit einer Beethoven-Sonaten-Platte zurück. Die Geläufigkeit seiner Finger mag nicht mehr dieselbe sein wie zu Zeiten, als er mit Eugene Ormandy, Igor Strawinsky und Leonard Bernstein weite Teile des große Klavier-Repertoires für den amerikanischen Markt einspielte.

Zwischendurch schien er sich mehr aufs Dirigieren verlegt zu haben (in Denver, beim Wiener Kammerorchester und gastweise gelegentlich beim Konzerthausorchester). Die manuellen Fähigkeiten sind immer noch groß genug, um einen speziellen, durchaus französischen Blick auf Beethoven zu gewähren.

Linienverliebt, glitzernd und hell

Entremont war ein Schüler der legendären, mit Ravel, Debussy und Fauré befreundeten Marguerite Long. Entsprechend linienverliebt, glitzernd und hell ist hier sein Beethoven-Ansatz. Passt das? Mag man einwenden, dieser umstandslose, zu wenig nach Arbeit und kompositorischer Mühsal schmeckende Beethoven klinge eher wie Haydn oder Schubert. (Worin ein Signum unserer Zeit getroffen wäre; denn viele Beethoven-Interpretationen heute, so auch bei dem dieser Tage sich neu ins Spiel bringenden Igor Levit, klingen eher, als wär’s Haydn oder Schubert.)

Höchst lebendig

Die idyllische Abgeklärtheit, der musikalisch ruhige, ja versonnene Blick, hebt diesen – technisch unterlegenen – Beethoven über vieles hinaus, was heutzutage zu diesem Komponisten gesagt wird. Nachdem in den letzten Jahren bereits die großen Konzert- und Solo-Aufnahmen von Entremont wiedererschienen waren (in Sony-Boxen zu jeweils 19 bzw. 34 CDs), ergibt sich hier die Möglichkeit, ein Phantom der Klavierwelt der letzten Jahre neu, höchst lebendig kennenzulernen.

Kai Luehrs-Kaiser, rbbKultur

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