Prinz Johann Ernst von Sachsen-Weimar: Concerti © audite
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Alte Musik - Prinz Johann Ernst von Sachsen-Weimar: "Concerti"

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Konzerte des Weimarer Prinzen Johann Ernst, gespielt vom Thüringer Bach Collegium

Erfurt, Weimar, Arnstadt, Eisenach, Mühlhausen, Gehren – es gibt kaum einen Ort in Thüringen, an dem kein Mitglied der weit verzweigten Bach-Familie im 17. oder 18. Jahrhundert als Musiker tätig gewesen ist. Um diesen lokalen Bezug weiter zu stärken, hat sich kürzlich in Weimar das Thüringer Bach Collegium konstituiert.

Komponierender Prinz

Mit dem Repertoire der Debüt-CD wird sogleich ein Achtungszeichen gesetzt: Aufgenommen hat das Thüringer Bach Collegium nicht etwa Musik aus der Bach-Familie, sondern Konzerte des Prinzen Johann Ernst von Sachsen-Weimar. Dieser musikalische Adlige stand in engem Kontakt zum damaligen Hoforganisten Johann Sebastian Bach sowie zum Stadtorganisten Johann Gottfried Walther. Von seiner Kavaliersreise brachte er aus Amsterdam die neuesten italienischen Musikdrucke mit, was in Weimar zu einer regelrechten "Vivaldimania" führte. Und schließlich komponierte der Prinz – der nur 18 Jahre alt wurde – auch selbst Konzerte nach italienischem Vorbild, einige davon sind durch glückliche Umstände erhalten geblieben.

Handwerklich sind die Konzerte von Johann Ernst durchaus gut gearbeitet, die Klasse von Vivaldi jedoch erreichen sie nicht. Es gibt viele erwartbare Wendungen, sehr wenig Kontrapunktik, dafür schier endlose Sequenzen. Abseits der Interpretation wäre hier vielleicht doch eine Kombination der Prinzen-Werke mit anderen Komponisten sinnvoll gewesen – Telemann als Mentor und Vivaldi als Vorbild hätten sich angeboten.

Gleichförmige Interpretation

Im Thüringer Bach Collegium sind hervorragende Musiker vereint, die hauptberuflich in der Weimarer Staatskapelle und anderen Orchestern spielen. Sie bieten die Werke von Johann Ernst mit großer Virtuosität und Leidenschaft dar. Und dennoch stellt sich beim Hören bereits nach den ersten Konzerten eine gewisse Gleichgültigkeit ein. Die schnellen Sätze werden fast durchweg vom Ensemble sehr scharf, fast aggressiv angegangen. Gewiss ist das eine mögliche Art der Interpretation, jedoch gewöhnt man sich schnell daran.

Der Klang der Solovioline von Gernot Süßmuth ist ebenfalls sehr brillant, es fehlt aber an Differenzierung in puncto Dynamik und Phrasierung. Auch der Continuo, besetzt mit Cembalo, Cello und Kontrabass, klingt auf die Dauer zu ähnlich. Hier hätten der alternierende Einsatz weiterer Instrumente – Orgel, Theorbe, Gambe, Fagott etc. – ganz sicher für einen wesentlich farbigeren musikalischen Ausdruck gesorgt. 

Bernhard Schrammek, rbbKultur

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