CD Cover: GUSTAV MAHLER - SYMPHONIE NR. 1 D-DUR
BR Klassik
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Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks - Gustav Mahler: "Symphonie Nr. 1 D-Dur"

Bewertung:

Der lettische Dirigent Mariss Jansons, seit 2003 Chefdirigent des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, zählt zu den großen Mahler-Interpreten. In der Gesamteinspielung aller Mahler-Symphonien mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks war er bislang mit den Symphonien Nr. 2, 5, 7 und 9 vertreten. Jetzt ist eine Aufnahme seiner 2007 aufgenommenen Interpretation der 1. Mahler-Symphonie mit diesem Orchester erschienen.

An Mahler scheiden sich nach wie vor die Auffassungen der Dirigenten: Da gibt es auf der einen Seite die schwelgerischen Emotionalisten, die Mahlers Musik mit großer, überwältigender Opulenz auskosten und sie beinahe wie einen Vorläufer der Hollywood-Musik auffassen - zum Beispiel Zubin Mehta.

Dagegen haben Dirigenten wie Michael Gielen mit ungerührter Seziermessertechnik die Modernität Mahlers in diesen hyperkomplexen Strukturen herauspräpariert. Sie suchen überall den doppelten Boden, die Ironie, das Ätzende in seiner Musik.

Klare Formidee

Mariss Jansons hat von jedem Satz eine klare Formidee, die er konsequent aufbaut, aber verzichtet darauf, Mahler gleichsam in Anführungszeichen zu dirigieren und hinter jeder Erfüllung ein verdrängtes Trauma, in jedem Ländler den lauernden Faschismus und in jedem Klezmerklang ein Pogrom zu wittern.

Jansons ist ein Dramatiker

Jansons denkt musikalisch immer sehr konkret, er sucht nach dem Ausdruckssinn in jeder Wendung, alles soll etwas "sagen". Alles wird plastisch vor Ohren gestellt.

Die Szenerie des dritten Satzes, des hoffnungslosen Trauermarschs, in den dann plötzlich Klezmermusiken und ein Liedzitat als Visionen des Trostes und der Rettung hineinklingen, gewinnt eine geradezu szenische Qualität.

Fabelhaft präzises Orchesterspiel

Unglaublich präzise, präsent, plastisch und beseelt spielen die Musiker des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks. Jansons ist ein akribischer Probenarbeiter. Da sitzt jede Phrasierung, jeder Bläsertriller, jeder noch so kleine Vorschlag.

Noch in der dichtesten Orchesterpolyphonie meint man, jedes Detail hören zu können. Der Klang ist haptisch, also von einer gewissen Saftigkeit oder Stofflichkeit, aber zugleich auch transparent und ausbalanciert - und er kann im Forte geradezu gleißend strahlen.

Durchhörbarer Klang

Sogar in dem Entsetzensschrei, mit dem der Finalsatz eröffnet wird, hört man bis in die Tiefe dieses monströs geschichteten Orchesterklangs hinein. Mit welcher Dramatik Jansons diesen gewaltigen Satz aufbaut, ist atemberaubend. Die Musiker spielen wie auf der Stuhlkante, alles hat eine unglaubliche Präsenz und Intensität.

Julia Spinola, rbbKultur

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