Rameau und Benda: Pygmalion © Ramée
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Alte Musik - "Pygmalion"

Bewertung:

Zweimal Pygmalion mit dem Apotheosis Orchestra

Gerade einmal vor sechs Jahren hat der junge belgische Cembalist und Dirigent Korneel Bernolet das Apotheosis Orchestra begründet. Von Anfang an konzentrierte sich dieses Ensemble auf die "dramatische" Musik des 17. und 18. Jahrhunderts. Ganz in diesem Sinne ist auch die erste in großer Besetzung eingespielte CD konzipiert: Bernolet kombiniert hier zwei eher selten gespielte dramatische Werke mit demselben Sujet: Rameaus Acte de ballet "Pigmalion" und das Monodrama "Pygmalion" von Georg Anton Benda. Beide Werke sind selten zu hören, für beide hat Bernolet mit großem Aufwand eigens Neuausgaben erstellt.

Der Pygmalion-Mythos

Bei Künstlern jeglicher Coleur hat sich der Pygmalion-Mythos in der Vergangenheit immer großer Popularität erfreut, eben weil sich in der Handlung alles um einen Künstler dreht: Der zypriotische König und Bildhauer Pygmalion vermag sich dem anderen Geschlecht nur in Gestalt der von ihm geschaffenen Skulpturen zu nähern. Auf seinen heftigen Wunsch hin erweckt dann Göttin Aphrodite eine seiner besonders schönen Frauenstatuen zum Leben, Pygmalion ist überglücklich...

Rameaus Geniestreich

Der große Bühnenzauberer Jean-Philippe Rameau schuf zu diesem Stoff 1748 ein Acte de ballet, das die Geschichte in rund 40 Minuten genial auf den Punkt bringt. Gesangs- und Tanzelemente halten sich dabei in etwa die Waage. Das Apotheosis Orchestra ist hier ganz in seinem Element. Die farbige und vom Tanz bestimmte Musik Rameaus wird mitreißend dargeboten, wobei die schnellen Sätze besonders überzeugend klingen. Philippe Gagné singt die Titelpartie mit leuchtender Höhe und großem Ausdruck, unter den weiteren Sängerinnen sticht Caroline Weynants mit ihrem glockenreinen Sopran hervor.

Bendas Version fällt ab

Nach dieser großartigen Fassung von Rameau fällt das nur 30 Jahre später entstandene Monodram von Georg Anton Benda musikalisch deutlich ab. Die Musik gibt sich zwar auch dramatisch, das ständige, abrupte Abbrechen aber vor dem Einsatz des Sprechers ist ein absehbares Muster. Der Bariton Norman D. Patzke würde auch lieber singen als sprechen und fällt immer wieder in eine dem Singen ähnliche, gehobene Sprache. Das verleiht dem Ganzen einen leicht gekünstelten Eindruck. Fazit: Ein mutiges Projekt mit einem engagierten Orchester, das einen klaren Sieger hat: Rameau.

Bernhard Schrammek, rbbKultur

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