Ludwig van Beethoven: Symphonien Nr. 1 – 9 | Wiener Philharmoniker | Andris Nelsons © Deutsche Grammophon
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Wiener Philharmoniker | Andris Nelsons - Ludwig van Beethoven: Symphonien Nr. 1 – 9

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Zum anstehenden 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens ergießt sich eine Flut von Neuaufnahmen über uns – worunter der Zyklus der neuen Symphonien mit den Wiener Philharmonikern unter Andris Nelsons zu den prestigereichsten Vorzeige-Beispielen zählt.

Dass man für die Aufgabe, sich im Haifischbecken der bisherigen Beethoven-Aufnahmen zu behaupten, ausgerechnet ein Orchester ausgewählt hat, dem es bekanntermaßen 'egal ist, unter wem es spielt' (denn sie können es sich leisten!), macht die Voraussetzungen für den Erfolg von Andres Nelsons ... nicht besser.

Kein Abenteuer mit riskantem Ausgang

Nelsons zieht daraus die Konsequenz, den Kessel ordentlich hochkochen und aufbrodeln zu lassen. Es gibt einen angenehm draufgängerischen Zug in diesen Aufnahmen – sehr genüsslich, sehr virtuos, zugleich immer kontrolliert. Hier lässt jemand seinem Orchester die Zügel schießen, ohne vom Pferd abgeworfen zu werden. Das muss man erst einmal können! Andererseits: Der Gaul prescht wie geölt dahin; man genießt die Landschaft, die man hörbar schon hundert Mal und häufiger durchritten hat. Neue Blicke, neue Wege oder ein echter Abenteuergeist mit riskantem Ausgang ergeben sich nicht. Es wirkt ungefährdet, selbstverständlich, abgespult.

Einseitigkeit des Zyklus

Als wichtigster Schüler von Mariss Jansons folgt Nelsons diesem bruchlos in der Ästhetik. Es geht immer darum, im Sog der Begeisterung einen Schwung, eine Verflüssigung, ein musikalisches Telos zu entdecken, der dem Fortschrittsoptimismus Beethovens Flügel verleiht. Dies ermäßigt aber auch den (politischen und musikalischen) Anspruch. Es fehlt ein gewisses Problembewusstsein, ein Sich-Abarbeiten am Material. Dies definiert die Radikalität, aber auch Einseitigkeit des Zyklus. Er könnte läppisch erscheinen.

Ganz schön aber wohin damit?

Das Solistenquartett der Neunten ist prominent besetzt. Exzellent Georg Zeppenfeld, wenig schallplattenafin dagegen Camilla Nylund (weil zu flackrig). Eine beigefügte Blue-Ray enthält das Ganze noch einmal in hochauflösendem Audio-Format (nicht aber, wie man annehmen könnte, als Film). So flott, jugendlich ungebremst und geradezu unbedenklich der Zyklus daherkommt, so klar ist doch, dass er über eine gewisse Mittelwertigkeit nicht hinauskommt. (Dafür ist das Konzept nicht neu genug und das Orchester zu traditionell, wenn man es am aufführungspraktisch verminten Beethoven-Feld misst.) Schön also. Aber nicht wichtiger als so manches Mitbringsel, von dem man, wenn die Gäste wieder gegangen sind, nicht so recht weiß: Wohin damit?!

Kai Luehrs-Kaiser, rbbKultur

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