Carl Maria von Weber: "Peter Schmoll"; Montage: rbbKultur
Bild: Capriccio

Oper - Carl Maria von Weber: "Peter Schmoll und seine Nachbarn"

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Niemand erwartet, dass die allerersten Opern großer Komponisten schon Meisterwerke sind. Interessant sind sie natürlich trotzdem, weil sie die großen Genies in ihren bescheidenen Anfängen zeigen. Nun hat das Label capriccio den Erstling von Carl Maria von Weber herausgebracht – "Peter Schmoll und seine Nachbarn".

Diese Oper ist noch das Werk eines Kindes. Weber war 15, als er dieses Singspiel komponierte – 1801 war das, also gewaltige 20 Jahre vor dem "Freischütz". Aber in manch einer Miniatur, wie dem kleinen Schlussterzett des ersten Akts, blitzt schon so etwas wie das Temperament des Oberon auf.

"Peter Schmoll" kommt eine große Bedeutung zu, weil sie den ganz jungen kindlichen Opernkomponisten Weber dokumentiert. Das ist eigentlich alles, was wir an Musikdramatik aus dieser Zeit von ihm haben – ein angeblich existierendes noch früheres Singspiel ist spurlos verschwunden und wurde auch nie aufgeführt. Ein anderes ("Das Waldmädchen") ist nur in einer viel späteren Bearbeitung erhalten ("Silvana"), wo der erwachsene Weber alle kindlichen Spuren verwischt hat – und so ist dieser "Peter Schmoll" schon ein etwas bizarres, aber wichtiges Dokument.

Großes bahnt sich an

Gut die Hälfte aller Nummern ist recht infantil und im besten Fall durchschnittlich komponiert. Das würden wir uns heute nicht mehr anhören, wenn es jemand Unbekanntes komponiert hätte. Allerdings muss man dazusagen, dass die Gesangstexte von Willy Werner Göttig derart dilettantisch sind, dass es einem die Schuhe auszieht – ein Umstand, der nicht gerade dazu beiträgt, diese Musik genussreicher zu machen.

Aber bei der zweiten Hälfte der 20 Opernnummern, vor allem den Ensembles und Duetten, da horcht man dann doch auf. Da spürt man: Es bahnt sich Großes an! Generell zeigt sich schon Webers wirklich einzigartiges Talent für subtile Instrumentierung – bereits hier ist er eigenwillig und unverwechselbar, er verwendet ungewöhnlich viele Holzblasinstrumente. Auch seine Rhythmik ist originell, er bindet zum Beispiel aktuelle Modetänze ein. Deswegen wäre Minettes kleine Arie im zweiten Akt (ein Ländler) auch ein echter Höhepunkt der Aufnahme – die erste ganz perfekte Weber-Arie überhaupt – würde sie nicht verdorben durch die überforcierte Interpretation der russischen Sopranistin Ilona Revolskaya.

Tolle Ensembles, verkrampfte Solonummern

Das Ganze ist eine Produktion des Theaters an der Wien vom Januar dieses Jahres. Die moderierten Zwischentexte haben es nicht auf die CD geschafft – das ist in diesem Fall vielleicht auch nicht so schlimm, da die Originaldialoge verschollen sind und der genaue Handlungsverlauf Spekulation bleibt.

Alle Herren klingen solide, besonders der Tenor Sebastian Kohlhepp als heimkehrender Liebhaber Karl ragt hier aus dem Ensemble heraus. Schade, dass Frau Revolskaya als einzige Frau extrem textunverständlich singt und in den Solonummern äußerst angespannt wirkt. Diese Singspielwelt braucht, wenn sie funktionieren soll, absolute Gelöstheit, eine gewisse Papageno/Papagena – Nonchalance. Man darf das eben nicht wie Euryanthe singen, und genau das passiert hier, übrigens auch zuweilen bei den Herren. In den Ensembles verlieren sich diese Untugenden aber oft, alle wirken entspannter, da wird's dann doch sehr genießbar.

Nicht wichtig, aber hübsch

Dies ist keine Ersteinspielung: Es gab schon eine Produktion des Theaters Hagen von 1993 bei Marco Polo, aber gegen die ist das hier durchaus ein Fortschritt. Die Sänger damals waren nicht besser, aber in der Neueinspielung kann Capriccio mit einem wunderbar instruierten Wiener Radiosinfonieorchester unter Roberto Paternostro auftrumpfen, der die Feinheiten und die Eleganz der Weber'schen Instrumentierung mustergültig herausstellt.

Matthias Käther, rbbKultur

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