Dina Ugorskaja: Franz Schubert © BR Klassik
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Klavier - Dina Ugorskaja: "Franz Schubert"

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Die Pianistin Dina Ugorskaja ist am 17. 09. 2019 im Alter von 46 Jahren gestorben. Sie gehörte zu den "Geheimtipps" unter den Pianisten. Jetzt ist ihr letztes Album mit Werken von Franz Schubert posthum erschienen.

Man muss sich davor hüten, die Lebenssituation eines Künstlers auf seine Interpretationen zu projizieren. Aber bei einem Werk wie der in den letzten Lebensmonaten komponierten B-Dur Sonate von Franz Schubert, kommt man kaum umhin, so etwas wie Todesnähe mitzuhören - zumal Dina Ugorskaja in ihrem eigenen Booklettext selber darauf verweist. Immer schon war sie eine Interpretin, die auf allen Oberflächenglanz verzichtet und sich mit unglaublichem Ernst in die Ausdrucksessenz der Werke vertieft. So spielt sie auch diesen Schubert: Schonungslos ehrlich, ja schmucklos im Ausdruck, konzentriert und direkt. Die "himmlischen Längen" des ersten Satzes der B-Dur-Sonate scheinen in ihrer Interpretation die Zeit anzuhalten, noch radikaler, als man es sonst kennt. Da gibt es jähe Abbrüche in der Musik, wo man bangt, ob es überhaupt noch weiter geht.

Die Trauer des zweiten Satzes erscheint bodenlos, es spricht eine solche Einsamkeit und Verlassenheit aus dieser Musik, dass alle Worte gegenüber dem Erklingenden etwas Gewaltsames zu bekommen scheinen. Auch die beiden rascheren Folgesätze scheinen überschattet.

Im ersten der drei Klavierstücke D 946 kann man einmal mehr bestaunen, wie Dina Ugorskaja, die nicht nur Klavier, sondern auch Komposition studierte, mit der musikalischen Form umgeht. Die umstrittene As-Dur-Passage dieses Rondos, die Schubert in seiner Handschrift durchgestrichen hatte, wird zwingend in den Formzusammenhang eingebunden. Es gibt nichts Harmloses in Ugorskajas Schubert-Interpretationen.

Ein ausdrucksstarkes Vermächtnis

Ugorskaja spielt, als wolle sie alle Interpretationskonventionen, alles nach außen Gekehrte wegfegen und zur nackten Seele dieser Musik vordringen. Sie war eine Pianistin mit einer herausragenden Technik und Kraft, die sie jedoch uneitel in den Dienst ihres sehr persönlichen Ausdrucks stellte.

Diese CD ist ein Vermächtnis. Der frühe Tod von Dina Ugorskaja ist ein furchtbarer Verlust. Eine solche pianistische und künstlerische Souveränität gepaart mit dieser Ehrlichkeit des Ausdrucks finden wir heutzutage nicht so oft.

Julia Spinola, rbbKultur

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