Hanns Eisler: "Leipziger Symphonien" © Capriccio
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Nacht und Nebel-Filmmusik | Trauerstücke aus Filmpartituren - Hanns Eisler: "Leipziger Sinfonie"

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Musik aus dem Spätwerk des Komponisten Hanns Eisler - der seine "Leipziger Sinfonie" aber nur als Fragment hinterlassen hat.

Erst 1998,  zu Hanns Eislers 100. Geburtstag, wurde dieses bereits 1959 vom Leipziger Gewandhausorchester beauftragte Werk uraufgeführt. Zuvor hatte der 2006 gestorbene Komponist Tilo Medek das Werk rekonstruiert. Erst im vergangenen August ist in Leipzig diese erste Aufnahme der beinahe vergessenen Musik dann entstanden.

Filmmusik

Eigentlich handelt sich bei der Sinfonie um kunstvoll montierte Musik aus verschiedenen Filmen, für die Eisler in den 1950er Jahren Musik komponiert hatte.  Darunter auch Musik für eine DEFA-Dokumentation über das Leben von Wilhelm Pieck, Mitbegründer der KPD und erster Vorsitzender der SED. Die gleiche Musik hat Eisler einige Jahr später aber auch als Bühnenmusik für eine Inszenierung am Deutschen Theater benutzt - diesmal allerdings für Wilhelm Tell.

Rekonstruktion

Der 1. Satz der Sinfonie stammt noch von Eisler, im 4. Satz aber hört man ausschließlich Tilo Medeks Rekonstruktion. Und er hat auf interessante Weise originales Eisler-Material benutzt:  etwa  eines der sogenannten Kampflieder, die Eisler seit den 1920er Jahren immer wieder verfasst hat. Der "Linke Marsch" nach einem Text von Wladimir Majakowski wird im Schlusssatz der Sinfonie allerdings stark verfremdet -  eine wirkungsvolle Maßnahme gegen allzu viel sozialistisches Pathos.

Trauer

Die "Trauerstücke aus Filmpartituren", ein Zyklus von insgesamt 9 Sätzen, aber vor allem die originale Musik zum französischen Dokumentarfilm "Nuit et Broulliard" beschließen das Album.  In seinem nur gut 30 Minuten dauernden Film zeigt der französische Regisseur Alain Resnais schwarz-weiße Bilder, die unmittelbar nach der Befreiung in Auschwitz aufgenommen wurden, verwoben mit farbigen Sequenzen aus dem Jahr 1955.

Der Dokumentarfilm wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet - ein Meisterwerk, auch durch die fast stille Musik, die Hanns Eisler dafür komponiert hat. Die insgesamt dreizehn Sätze sollten, so Eisler, auch ohne Bilder, für sich allein wirken. Diesen Anspruch erfüllt die  exzellente Aufnahme mit der Kammersymphonie  Berlin, auch dieses Orchester wird von Jürgen Bruns hervorragend geleitet.

Hans Ackermann, rbbKultur

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