Lucas Debargue: "Scarlatti" © Sony Classical
Bild: Sony Classical

52 Sonaten - Lucas Debargue: "Scarlatti"

Bewertung:

Der französische Pianist Lucas Debargue gilt als unkonventioneller Newcomer, der erst sehr spät mit dem Klavierspielen begann und in seiner Jugend auch Ausflüge in die Rockmusik unternahm. 2015 gewann er den 4. Preis im legendären Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau. Jetzt hat er 52 Sonaten von Domenico Scarlatti eingespielt.

Wie viel Legende auch immer in Debargues Biografie stecken mag, fest steht, dass er über ein außergewöhnliches Talent und eine schnelle Auffassungsgabe verfügt. Die insgesamt 555 Sonaten von Domenico Scarlatti hat er nach eigenen Angaben innerhalb von einer Woche studiert, und die 52 ausgewählten Sonaten für sein Album dann innerhalb von fünf Tagen aufgenommen. Genauso sportlich hört sich das Ergebnis auch an.

Modernität

Debargue holt die Sonaten dezidiert aus dem Barock ins Heute. Er spielt sie auf einem Bösendorfer Flügel, mit hartem, kristallinem, manchmal sogar knalligem Anschlag. Beinahe jazzig klingen die vielen rhythmischen Unregelmäßigkeiten dieser Miniaturen, deren Erfindungsreichtum in der Variation kleinster musikalischer Motive aufblüht. Debargue hebt auch das spanische Kolorit der Sonaten hervor und interpretiert sie mit einer mitreißenden Direktheit, ja Exzentrik, aber auch ziemlich auf Effekt hin.

Vergleich mit Vladimir Horowitz

Einer der ersten Pianisten, die sich für die Sonaten von Scarlatti eingesetzt haben, war der große Vladimir Horowitz. Debargue treibt den Duktus kristalliner Klarheit, die Horowitz‘ Interpretationen auszeichnen, ins Extrem, bleibt den Stücken aber dennoch die analytische Präzision schuldig. Die komplexe Polyphonie der Stücke verschwindet hinter jenem rabiaten pianistischen Zugriff, mit dem Debargue über viele Feinheiten recht grob hinweg musiziert.

Wenig Ausdrucksspielraum

Die wechselnden Ausdruckslagen der Stücke, in denen es auch zarte und filigrane Passagen gibt, kommen kaum zur Geltung. Debargue hat nur einen Tonfall für alle Sonaten, und sein Spektrum an dynamischen Schattierungen und Klangfarben ist relativ schmal. Alles klingt ein wenig gleich. Fazit: Eine in ihrem Furor zwar spektakuläre, aber dennoch nicht wirklich überzeugende musikalische Lesart.

Julia Spinola, rbbKultur

Weitere Rezensionen

Johannes Brahms: Ein deutsches Requiem; Montage: rbbKultur
harmonia mundi

Vokalmusik - Johannes Brahms: "Ein deutsches Requiem"

Der britische Dirigent Daniel Harding galt einmal als Shooting Star. Seit 2007 ist er Chef des schwedischen Rundfunk-Sinfonieorchesters Stockholm. Mit diesem Orchester und mit dem schwedischen Rundfunkchor sowie Christiane Karg und Matthias Goerne hat er nun Brahms' "Deutsches Requiem" aufgenommen.

Bewertung:
Freimaurermusik © Berlin Classics
Berlin Classics

Lieder der Freimaurer - "Freimaurermusik"

Lieder der Freimaurer - von der "Eröffnung der Loge" bis zum feierlichen "Schlusslied" - präsentiert das Vocal Concert Dresden auf diesem Album.

Bewertung: