Ludwig van Beethoven und Jean Sibelius: Violinkonzerte | Christian Tetzlaff, Violine, Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Robin Ticciati © Ondine
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Christian Tetzlaff mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin - Ludwig van Beethoven und Jean Sibelius: Violinkonzerte

Christian Tetzlaff zählt zu den Interpreten, die sich einem Werk immer aufs Neue mit frischem Blick nähern können. Das Violinkonzert von Beethoven hat er bereits zweimal aufgenommen (1990 mit Michael Gielen und 2006 mit David Zinman) und mehr als 330 Male aufgeführt. Auf seiner neuen CD kombiniert er es mit dem Violinkonzert von Jean Sibelius, gemeinsam mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin unter ihrem jungen Chefdirigenten Robin Ticciati.

Brauchen wir tatsächlich noch eine weitere Aufnahme dieser beiden oft eingespielten Werke? Unbedingt! Christian Tetzlaff übertrifft sich in der Live-Aufnahme des Violinkonzerts von Beethoven selbst. Der Dirigent Robin Ticciati sagt über Tetzlaff, er spiele, als ob die Tinte von Beethovens Partitur noch nicht getrocknet sei – und das trifft es genau.

Die Violine als dramatischer Protagonist

Tetzlaff spielt mit einer brennenden Direktheit und Lebendigkeit im Ausdruck. Der Solopart tritt einem als ein lebendiger Protagonist entgegen, der ein dringendes Ausdrucksanliegen hat. Trotz ihrer konsequent dramatischen Auffassung von Beethovens symphonisch durchdrungener Form, zerreißen die Interpreten den Formzusammenhang nicht. Tetzlaff und Ticciati entdecken den Ausdruckssinn dieser Form in einem ungeheuer dramatischen, ja kämpferischen, kriegerischen Geschehen. Dazu passt, dass Tetzlaff sich auch hier wieder für die Kadenzen aus Beethovens Hand entscheidet, die aus Beethovens Klavierbearbeitung stammen. Im Finalsatz wird auch hörbar, wie viel Witz Beethoven hatte.

Archaische Naturnähe

Dem dunklen, satten Klang des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin unter Robin Ticciati wünscht man im Violinkonzert von Beethoven etwas mehr Transparenz und Geschliffenheit. Zum Violinkonzert von Jean Sibelius passt er dagegen sehr gut. Ticciati hebt hier an manchen Stellen auch die Nebenstimmen im Orchester stärker hervor, als man es kennt. Das verleiht diesem Konzert etwas atemberaubend Urwüchsiges, Rauhes, eine archaische Naturnähe. Und Tetzlaff spielt den Solopart mit einer unglaublichen Intensität und Virtuosität. Insgesamt ist das also eine mindestens ebenso aufsehenerregende Aufnahme wie die des Beethoven-Konzerts.

Julia Spinola, rbbKultur

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