The Mathilde Album © Erato/Warner
Bild: Erato/Warner

Kammermusik - The Mathilde Album

Bewertung:

Auch wenn Arnold Schönberg es sich gewünscht hat, werden seine Melodien noch lange nicht auf der Straße gepfiffen. Und so setzt das junge französische Arod Quartett auch lieber den Namen seiner Frau aufs Cover als den des eigentlich im Mittelpunkt stehenden Komponisten.

Der Name Mathilde hat durch die Verbindung von Mathilde Wesendonck zu Richard Wagner einen leicht verruchten Klang in der Musikgeschichte. Dass Mathilde Schönberg eine noch tragischere Liebesgeschichte erleben musste, hat die Fantasie des Arod Quartetts angeregt. Sie war die Schwester von Schönbergs Lehrer Alexander von Zemlinsky und hatte ein Verhältnis zu Schönbergs jungem Malerfreund Richard Gerstel. Am Ende beging der Maler Selbstmord und Malthilde litt unendlich.

Diese Geschichte wird im Booklet in allen Details ausgebreitet und dient zur programmatischen Verbindung der Quartette von Arnold Schönberg und Alexander von Zemlinsky. Musikalisch ist das allerdings kaum relevant. In den Stücken finden sich keine konkreten Spuren der Tragödie. Lediglich eine angespannte, geradezu hypertrophe Emotionalität ist ihnen zu Eigen. Und die Suche nach einer neuen Sprache.

Elsa Dreisig © Gregor Baron
Bild: Gregor Baron

Leidenschaft und Musizierfreude

Das 2013 in Paris gegründete Arod Quartett wurde unter anderem vom Artemis Quartett ausgebildet und hat 2016 den ARD-Wettbewerb in München gewonnen. Seine fiebrige Akkuratesse hat es bereits mit einem Mendelssohn-Album bewiesen. Nun trifft der Ausdruckswille des jungen Quartetts auf Musik, die aus der letzten Blüte der Romantik emporrankt und mit extremen Gefühlen alle Fesseln von sich werfen möchte. Anton Weberns im Unterricht bei Schönberg geschriebener "Langsamer Satz" weist in diese Richtung mit langen, verschlungenen und sich aufbäumenden Linienzügen.

Bei Schönbergs zweitem Quartett singt die klar artikulierende Sopranistin Elsa Dreisig auch räumlich über dem Quartettklang. So wird die entrückende Qualität der Lyrik von Stefan George spürbar und auch der Drang Schönbergs, damit einen neuen Weg in die Moderne zu finden. Beim zweiten Quartett von Zemlinsky zeigt das Arod Quartett in einem 40-minütigen Kraftakt noch einmal, wie viel Energie, Leidenschaft und Musizierfreude in ihm steckt. Ein hochexpressives Album eines hochtalentierten Ensembles

Dirk Hühner, rbbKultur

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