Johannes Brahms: Ein deutsches Requiem; Montage: rbbKultur
Bild: harmonia mundi

Vokalmusik - Johannes Brahms: "Ein deutsches Requiem"

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Der britische Dirigent Daniel Harding galt einmal als Shooting Star. Seit 2007 ist er Chef des schwedischen Rundfunk-Sinfonieorchesters Stockholm. Mit diesem Orchester und mit dem schwedischen Rundfunkchor sowie Christiane Karg und Matthias Goerne hat er nun Brahms' "Deutsches Requiem" aufgenommen.

Brahms' Werk ist ein Meilenstein der Chorsinfonik, der gut zur musikalischen Infrastruktur passt, die Daniel Harding in Stockholm zur Verfügung hat. Der schwedische Rundfunkchor ist legendär, viele Jahre hat ihn der europäische Chorpapst Eric Ericson geleitet. Deswegen war ich auf diese Neuaufnahme sehr gespannt, wurde jedoch schnell einiger Illusionen beraubt.

Der Chor singt zwar ordentlich, aber auch in der Chornation Schweden wird inzwischen anscheinend nur noch mit Wasser gekocht. Die Klarheit und Transparenz, wie sie in den Neunzigerjahren unter Eric Ericson vorhanden war, ist leicht getrübt – an einigen Stellen klingen die Damen und Herren doch ein wenig diffus. Allerdings ist die Präzision noch da und der Klang ist ziemlich schlank, es wird mit sehr wenig Vibrato gesungen.

Historisch informiert – zumindest teilweise

Daniel Harding behauptet, dass er sich bei der Aufnahme von der Idee einer historisch informierten Aufführungspraxis hat leiten lassen. Ihm sei bewusst, schreibt er, dass Brahms selbst ein großer Kenner der "Alten Musik" war. Beim Orchester zieht er das allerdings nicht ganz durch, da bevorzugt Harding an etlichen Stellen doch eine gewisse "unhistorische" Opulenz. Im Kontrast zum Chor klafft das dann doch auseinander. Angenehm sind aber die Tempi, die er wählt. Es fließt alles sehr organisch, es wirkt niemals gehetzt.

Vibrierendes Pathos – die Gesangssolisten Matthias Goerne und Christiane Karg

Wer Matthias Goerne schon häufiger gehört hat, der weiß, dass er ein sehr starkes Vibrato in seiner Baritonstimme hat. Das ist Geschmackssache. Darunter leidet bei ihm auch häufig die Textverständlichkeit. Erstaunlicherweise ist das bei dieser Aufnahme nicht der Fall. Dass da auch die Arbeit eines guten Tonmeisters positiv gewirkt hat, halte ich nicht für ausgeschlossen. Goerne kommt jedenfalls sehr direkt herüber, allerdings eben tremolierend, was recht schwülstig wirkt. Christiane Karg singt mit ähnlich viel Vibrato, passt damit zu ihrem solistischen Partner, aber eben nicht zum schlanken Klang des Chors.

Fazit: eine durchschnittliche Aufnahme

Die Aufnahme ist als Ganzes betrachtet "nicht Fisch, nicht Fleisch". Nicht konsequent historisch informiert, vor allem nicht in den Orchesterpassagen, dazu kommen die beiden tremolierenden Solisten, die zum klanglich transparenten Chor einen wenig angenehmen Kontrast bilden. Das Ergebnis ist Durchschnittlichkeit. Eine konventionelle Aufnahme, wie es schon viele auf dem Markt gibt, die niemandem wehtut. Kann man haben, muss man aber nicht.

Claus Fischer, rbbKultur

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