Noga Quartet, Siobhan Stagg: Aquerelle © Avi
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Debütalbum - Aquarelle

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Als drei junge Streicher und eine Geigerin vor zehn Jahren das Noga Quartet gründeten, studierten sie noch an der UdK und der Hanns Eisler Hochschule in Berlin. Nun sind alle vier Profis und haben ihre erste Quartett-CD herausgebracht mit einem feingewobenen französischen Programm und einer Sängerin.

So eine Debüt-CD nach zehn Jahren des Zusammenspiels hat zweifellos ihre Vorteile: Die Musiker haben reichlich Erfahrung gesammelt in Wettbewerben und Konzerten und wissen genau, was sie wollen. Das Noga Quartet hat über die Jahre seine Proben aufgenommen und so ein produktives Verhältnis zu Mikrofonen entwickelt. Die CD hält es nicht für ein in Marmor gemeißeltes Denkmal für alle Zeiten, sondern für ein Dokument des Augenblicks. Das gibt der Aufnahme bei aller Verbindlichkeit eine einladende Frische und Offenheit.

Enges Verhältnis zur französischen Musik

Eines der ersten gemeinsam studierten Stücke war das Quartett von Claude Debussy. Es blieb eine Herzensangelegenheit und ein dankbares Feld für die Stärken des Noga Quartets. Drei der vier Mitglieder kommen aus Frankreich und haben daher ein besonders enges Verhältnis zur französischen Musik. Der Interpretation ist die lange und tiefe Beschäftigung anzumerken, jeder Ton sitzt und die Phrasen fließen ungezwungen dahin. Auch die sanften Exotismen wirken natürlich. Der Cellist Joan Bachs hat, angeregt von den literarischen Neigungen Debussys, einen von dessen Liederzyklen für das Quartett und die Sopranistin Siobhan Stagg arrangiert. Weder bei den kabarettistisch angehauchten noch bei den klangmalerischen Liedern vermisst man das Klavier. Stimme und Streicher verbinden sich mühelos zu ganz verschieden getönten Miniaturen.

Entdeckerfreude

Die Quartette von Reynaldo Hahn sind immer noch eine Entdeckung. Sie wurden 1939 geschrieben und bewegen sich in einer nostalgisch-spätromantischen Sphäre. Im zweiten Quartett betont das Noga Quartet gerade nicht die rückwärtsgewandte Seite. Es spielt mit positiv-musikantischem Zugriff seine Entdeckerfreude aus und lässt in irisierenden Harmonien schwelgen. Gerade in der Zusammenstellung von Debussy und Hahn in ihren unterschiedlichen Charakteren entfaltet die CD ihre besondere Wirkung. Aufnahmetechnisch sehr nah an die Instrumente gerückt, geradezu zwischen ihnen sitzend, wird der Hörer in eine lyrische Gegenwelt versetzt.

Dirk Hühner, rbbKultur

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