Benjamin Bernheim © Deutsche Grammophon
Bild: Deutsche Grammophon

Arien - Benjamin Bernheim

Bewertung:

Auf seiner Debüt-CD singt der in Frankreich geborene Tenor Benjamin Bernheim Arien des französischen, italienischen und russischen Repertoires – und das bei der Deutschen Grammophon. Große Sache?

Der Schweizer Tenor Benjamin Bernheim, geboren 1985 in Paris, gilt als große Sänger-Hoffnung der Deutschen Grammophon – und dürfte dort den ersten Tenor-Vertrag seit Rolando Villazón bekommen haben. Besonders durch seine signature role, den Nemorino in "L'elisir d’amore" – eine Rolle, die er so lange wie möglich singen möchte – eilt ihm ein exzellenter Ruf in puncto Stimmschönheit und Rollendarstellung voraus. Dieser Ruf bestätigt sich auch in Gestalt seines mit juvenilem Aplomb gestaltenden, dem Stahlbad der Jugend scheinbar frisch entstiegenen Tenors. Biegsam, geschmeidig in seiner Sportlichkeit, ist Bernheim jene Alterlosigkeit kaum mehr anzumerken, wie sie den großen Tenören der goldenen Ära meist zukam. Bernheim erscheint ähnlich‚ berufsjugendlich' wie es heute allgemein üblich geworden ist.

Französischgeprägter Tenor

Im Italienischen begegnen wir einem deutlich abgespeckten Vibrato. Auch keinerlei sahnigen Portamenti. Sondern sozusagen einer Magerquark-Variante des Italienischen; was den hier gebotenen "Bohème"-, "Traviata" und "Luisa Miller"-Ausschnitten verschlankend zugutekommt. – Ganz klar, dass wir es mit einem französischgeprägten Tenor zu tun haben. Als Bewunderer frankophoner Vorgängern von Georges Thill bis Roberto Alagna bekennt er sich auch dazu. Höhepunkte so die Ausschnitte aus "Roméo et Juliette", "Manon" und "Damnation de Faust" – während er viel besser klingt als in der Gesamtaufnahme des "Faust" unter Christophe Rousset, in der er kürzlich bereits für Aufsehen sorgte.

Erfreulich

Versatilität und Rollenidentifikation mögen noch ausbaufähig sein. Dennoch der vielleicht beste Tenor des französischen Repertoires seit Nicolai Gedda (an den er freilich noch nicht heranreicht). Eine gewisse Kühle der Stimme, die live niemals ein großes Problem darstellen mag, deckelt die Begeisterung beim Hören. Als Talentbeweis eines bereits Mitte 30-Jährigen indes überaus erfreulich. Zu Weihnachten singt Bernheim an der Berliner Staatsoper Rodolfo in "La bohème". Im Januar kehrt er als Alfredo in die "Traviata" am selben Ort zurück.

Kai Luehrs-Kaiser, rbbKultur

Weitere Rezensionen

Wilhelm Backhaus © Decca
Decca

Kammermusik - Wilhelm Backhaus – The Complete Decca Recordings

Der aus Leipzig stammende Pianist Wilhelm Backhaus (1884-1969) war einst die Beethoven- und Brahms-Autorität schlechthin – gilt aber heutzutage wohl eher als Inkarnation alten Eisens. Vielleicht auch deshalb, weil man seine Aufnahmen, die hier erstmals gesammelt erscheinen, nicht mehr recht kennt.

Bewertung:
Leonskaja - Schumann; Montage: rbbKultur
eaSonus

Klavier - Leonskaja - Schumann

Auf ihrer neuesten Doppel-CD spielt die georgische Pianistin Elisabeth Leonskaja, die in Wien lebt, Werke von Robert Schumann. Leonskaja ist Mitte 70, müsste also vermutlich schon früher Werke dieses Klavier-Klassikers aufgenommen haben. Oder etwa nicht!?

Bewertung:
Mieczyslaw Karlowicz: Lieder © NIF
NIF

CD-Kritik - Lieder von Mieczyslaw Karlowicz und Stanisław Moniuszko

Nachträglich zum 200. Geburtstag gratuliert der polnische Tenor Piotr Beczała dem Komponisten der polnischen Nationaloper, Stanisław Moniuszko (1819-1872), mit fünf von dessen Liedern. Das ist ein schmaler Ausschnitt, denn in Wirklichkeit hat dieser Romantiker mehr als 300 Lieder komponiert.

Bewertung: