Jacques Offenbach: Six Fables del la Fontaine /Ouverüren /Arien © alpha classics
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Oper - Jacques Offenbach: Six Fables del la Fontaine /Ouverüren /Arien

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Das Offenbach-Jahr 2019 nähert allmählich dem Ende. Die meisten Neuveröffentlichungen kamen pünktlich zum Jubiläum des Komponisten im Juni heraus, aber jetzt gibt’s einen Nachzügler: das Label Alpha classics mit Offenbachs La Fontaine-Fabeln.

Ein absolutes Frühwerk, sechs Fabeln für Solostimme, um 1842 entstanden, zu einer Zeit, als Offenbachs Operetten noch 13 Jahre in der Zukunft lagen. Für einen noch recht unbekannten deutschen Komponisten in Paris war der Zyklus ziemlich erfolgreich, er wurde erst im Salon gespielt, dann schnell auch auf dem Konzertpodium. Heute gelten diese sechs gesungenen Fabeln als die wichtigsten Vorstudien zu Offenbachs späteren Operetten, sie sind so etwas wie dramatische Miniaturszenen. Allerdings, und jetzt kommt das Aufregende, ist hier die Premiere einer Orchesterfassung zu hören, das Original ist für Klavier und Singstimme gesetzt.

Der Dirigent dieser Aufnahme, Jean-Pierre Haeck, hat die Orchestrierung besorgt, und das sehr behutsam und empathisch. So richtig glücklich bin ich aber nicht damit.

Es gibt kaum Vorbilder für eine Kombination Singstimme/Orchester aus dieser Zeit bei Offenbach, und wenn man die Stücke im Stil der Operetten nachempfindet, rückt man sie automatisch weiter in die Zukunft, macht sie moderner, als sie sind, das ergibt einen falschen Zungenschlag. So schön diese Fassung auch ist – Karine Deshayes zelebriert sie pointiert und textvertändlich - das Experiment bleibt doch fragwürdig.

Genau ins Schwarze getroffen

Die Fabeln haben eine Länge von ca. 25 Minuten, deswegen sind hier weitere 30 Minuten  aufgefüllt worden, eine wilde Mischung aus Ouvertüren, einer Polka und zwei Operettencouplets.  Die bunt zusammengewürfelte Mischung ist meiner Meinung nach der beste Beitrag zum Offenbach-Jahr 2019 auf CD. Diese 30 Minuten Bonusmaterial sind die paradiesischste halbe Stunde Offenbach seit langer Zeit!

Karine Deshayes könnte durchaus die Nachfolgerin von Anne Sophie von Otter in Sachen Offenbach sein, sie hat den Draht zu dieser Musik und auch ein bißchen die Hand in der Hüfte. Dieses Kess-Kokette, das diese Musik braucht, das samtige Timbre – es passt perfekt. Ich kann sie mir auch wunderbar als Großherzogin von Gerolstein vorstellen. Aber so toll sie auch ist, die große Entdeckung war für mich das Orchester und der Dirigent Jean-Pierre Haeck.

Das Orchestre de l'Opera de Rouen Normandie trifft den Offenbach-Ton so perfekt wie lange kein Ensemble mehr, vielleicht Minkowski und seine Musiciens du Louvre ausgenommen. Mich beeindruckt hier gar nicht so sehr so der Drive und die schönen Tempi - das können andre auch – sondern der schiere Klang; das Orchester ist hat genau die richtige Größe, größer, und es würde zu repräsentativ klingen, kleiner, und es wäre zu salonhaft. Und die Streicher sind sensationell, etwas aufgeraut, einen Millimeter vor der Uneleganz, aber dadurch eben auch nicht glatt und servil – und man spürt auch den Spaß aller Beteiligter, nicht nur den des Dirigenten. Für mich sollte Offenbach genauso klingen.

Matthias Käther, rbbKultur

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