Robert Schumann: Myrthen © Sony Classical
Bild: Sony Classical

CD-Kritik - Robert Schumann: "Myrthen"

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Ein umfangreiches CD-Projekt mit sämtlichen Liedern von Robert Schumann hat Christian Gerhaher gestartet. Schumann ist einer seiner absoluten Hausgötter. Entsprechend wurde die erste Lieferung gefeiert. Jetzt ist das zweite Volume erschienen. Ist die Begeisterung wieder groß?

Bei der zweiten Lieferung innerhalb seines groß angelegten Schumann-Lieder-Projekts hat der deutsche Bariton Christian Gerhaher den wohl am meisten vernachlässigten Zyklus "Myrthen" aufs Programm gesetzt. Im Jahr 1840 waren die 26 Lieder auf Texte von Goethe, Heine, Rückert, Burns u.a. ein Hochzeitsgeschenk für Clara. Daher auch der Titel (im Sinne eines Blumenstraußes). Viele Vorgängernaufnahmen gibt es nicht. (Ausnahmen z.B.: Fischer-Dieskau/Edith Mathis, Ian Bostridge/Dorothea Röschmann.) Wer hier was singt, bleibt angesichts der Zuschreibung "für Gesang und Pianoforte" den Interpreten überlassen. Entsprechend unterschiedlich sind Ergebnisse.

Auf allerhöchstem Niveau

Mit der schwedischen Sängerin Camilla Tilling, die von Mozart her kommt, hat sich Gerhaher für eine der quellklarsten Stimmen entschieden, die es derzeit gibt. Ihr schöner, lyrisch empfundener Vortrag täuscht indes nicht über die kühle Temperatur des Soprans hinweg. Auch sind die Textdefizite so groß, dass einzelne Gedichte, darunter die bekanntesten wie "Widmung" und "Der Nussbaum", wie hinter einer Milchglasscheibe verschwimmen.

Dass Christian Gerhaher der wichtigste Nachfolger des legendären Fischer-Dieskau ist, daran lässt das Album keinerlei Zweifel. Dennoch schieben sich auch hier zunehmend kleinere Einwände in den Vordergrund – auf wohlgemerkt allerhöchstem Niveau. Die Interpretationen Gerhahers wirken immer stärker: "erklügelt". Also: so durchgefeilt, kostbar gemacht und mit der Goldwaage gewogen, dass alle Unmittelbarkeit, Spontaineität und romantische Unbedenklichkeit auf der Strecke bleibt.

Macht Sinn

Was die Vergleichs-Sets anbetrifft, so kann Camilla Tilling weder mit Edith Mathis noch mit Dorothea Röschmann oder Juliane Banse konkurrieren. Immerhin fällt das Votum für einen Liederzyklus stark genug aus, dem das Zyklische oft abgesprochen wurde. Als "Kaleidoskop der Ehe" fast Gerhaher die Sammlung auf. Das ist ernstzunehmen und macht Sinn.

Kai Luehrs-Kaiser, rbbKultur

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