Olga Scheps & Kuss Quartett - Mieczyslaw Weinberg: Piano Quintet, Op. 18; Montage: rbbKultur
Bild: SONY Classical

Kammermusik - Mieczysław Weinberg: Klavierquintett op. 18

Bewertung:

Als der polnische Komponist Mieczysław Weinberg im Jahr 1996 starb, war er im Westen ein nahezu Unbekannter. Seit ein paar Jahren erleben wir eine kleine Renaissance. Zum 100. Geburtstag Weinbergs am 8. Dezember bringen die Pianistin Olga Scheps und das Kuss Quartett eine fabelhafte Einspielung des Klavierquintetts op. 18 heraus.

Als Weinberg 1944, kurz nach seiner Übersiedlung nach Moskau sein Klavierquintett komponierte, war er als Jude schon zweimal vor den nationalsozialistischen Truppen geflohen. Das erste Mal 1939 aus seiner Geburtsstadt Warschau nach Minsk. Seine Familie war in Warschau zurückgeblieben, sie wurde deportiert und ermordet. 1941 floh Weinberg dann zum zweiten Mal, weiter ins uskbekische Taschkent, und schließlich holte ihn Dmitri Schostakowitsch zu sich nach Moskau.

Die Schrecken der NS-Zeit hat Weinberg am eigenen Leib erlebt und er empfand es zeitlebens als seine moralische Pflicht, davon auch in seiner Musik zu erzählen. Zugleich ist seine Musik oft so erfindungsreich, als wolle sie mit dieser Lebendigkeit dem biografisch allgegenwärtigen Tod etwas entgegensetzen.

Totentanz

In den zweiten Satz des Quintetts mischen sich allerdings auch spukhafte, agonale Töne und der dritte Satz, ein makabres Scherzo, trägt mit seinen schattenhaften Streicherfiguren, den mutwilligen Walzerepisoden und einem Tango Züge eines Totentanzes. Olga Scheps und das fabelhafte Kuss Quartett spielen das mit großer Präzision und Charakterisierungskunst.

Olga Scheps; Uwe Arens/SONY
Bild: Uwe Arens/SONY

Höchste Expressivität

Den Musikern gelingt eine äußerst intensive, hoch expressive Interpretation dieses Werks. Man spürt, wie sehr den Musikern Weinbergs Musik am Herzen liegt. Die Primaria des Kuss Quartetts, Jana Kuss, kann durchdringend singen auf ihrer Geige. Und Olga Scheps bringt nicht nur flinke Finger und eine exzellente Technik mit, sondern auch die erforderliche Kraft für einen satten, auch im Forte noch vollen Ton.

Meine Lieblingsaufnahme war bislang die historische Einspielung mit dem Borodin Quartett und Weinberg selbst am Klavier. Olga Scheps und das Kuss Quartett reichen sehr nah an diese Intensität heran.

Julia Spinola, rbbKultur

Weitere Rezensionen

Johannes Brahms: Klavierquintett op.34 © Myrios
© Myrios

Kammermusik - Johannes Brahms: Klavierquintett op.34

Für das Klavierquintett op. 34 hat sich das renommierte Hagen Quartett Verstärkung aus Berlin geholt – hier lebt der Pianist Kirill Gerstein und lehrt als Professor an der Hochschule für Musik Hanns Eisler.

Bewertung:
Serge Taneyev: Sämtliche Kammermusik © Northern Flowers
© Northern Flowers

CD-Kritik - Serge Taneyev: "Sämtliche Kammermusik"

Serge Taneyev (1856-1916) ist lange schon eine Art 'offizieller Geheimtipp' der russischen Romantik – mit der Pointe, dass Taneyev erst geboren wurde, als Schumann schon einige Monate tot war. Ein Nachzügler und Epochenverschlepper also. Allerdings haben sich immer wieder große Musiker wie Vadim Repin, Mikhial Pletnew und Evgeny Swetlanow für ihn eingesetzt. Die Gesamtaufnahme seiner Kammermusik mit dem Taneyev Quartet ist ein Katalogklassiker aus den späten 70er Jahren, der hier erstmals vollständig bewundert werden kann.

Bewertung: