Christoph Croisé, Violoncello | Alexander Panfilov, Klavier: The Russian Album © AVIE
Bild: © AVIE

Kammermusik - The Russian Album

Bewertung:

Zwei große Sonaten von Rachmaninow und Schostakowitsch, Zugaben von Schtschedrin und Prokofjew – Christoph Croisé und Alexander Panfilov haben einen spannenden russischen Kammermusikabend zusammengestellt.

Spätestens beim "Marsch aus den drei Orangen" von Sergei Prokofjew bekommt man einen Eindruck von der virtuosen Spielfreude dieser beiden jungen Musiker – Alexander Panfilov, geboren 1989, Christoph Croisé im Jahr 1993. Beide wurden schon mit verschiedenen großen Preisen ausgezeichnet.  Der Schweizer Cellist ist seit 2013 in Berlin an der Universität der Künste Meisterschüler von Wolfgang Emanuel Schmidt, der gebürtige Moskauer Pianist Alexander Panfilov hat am Gnessin-Institut und danach am Tschaikowski-Konservatorium studiert.

Mystik

Mit Rachmaninows Sonate op. 19 beginnt das Album, das die beiden Musiker in Kapitel aufgeteilt haben. Rachmaninow wird unter der Überschrift "Mystik" präsentiert  – gemeint ist die besondere, geheimnisvolle Ebene, in der sich manches der direkten Erkenntnis entzieht und nur mit dem Gefühl erfasst werden kann – gern spricht man hier auch von der "russischen Seele".

Leidenschaft, Zartheit, das tiefe Gefühl – alles hat in diesem Wunderwerk russischer Kammermusik seinen Platz. Rachmaninow hat den äußerst schwierigen Klavierpart dieser Sonate bei der Uraufführung natürlich selbst gespielt, eine beeindruckende Klavierstimme, die Alexander Panfilov temperamentvoll ausführt.

Provokation

Die Sonate op. 40 von Dmitri Schostakowitsch steht dann unter der Überschrift "Provokation". 1934 komponiert, vom 28 Jahre alten Komponisten, der kurz danach ins Visier der stalinistischen Kulturwächter geraten ist.  "Chaos statt Musik" hieß es 1936 in der "Prawda" über seine Oper "Lady Macbeth von Mzensk". Westliche Dekadenz hatte man damals herausgehört – dabei hat Schostakowitsch in der Oper, wie auch in der Sonate einfach nur konsequent modern komponiert. Die beiden Musiker sind auch bei dieser intellektuellen Musik bestens aufeinander abgestimmt. Man spürt, dass sich die beiden diese Werke bewusst ausgesucht haben, dass sie diese Musik unbedingt spielen wollten.

Humor

Die Aufnahme ist auch bei der Aufnahmetechnik hervorragend gelungen, sicher auch, weil man die Musik in einem Funkhaus aufgezeichnet hat – wo, wenn nicht dort, sollten allerbeste Aufnahmen entstehen? In diesem Fall waren die Musiker zu Gast beim Schweizer Rundfunk SRF 2 in Zürich. Dort wurde auch das letzte Stück des Albums aufgenommen. Es heißt "New York Honk" und stammt – nicht von einem russischen Komponisten. Urheber ist der Schweizer Cellist Thomas Demenga. Ihn hat sich Christoph Croisé sicher ganz bewusst für den Schluss ausgesucht, denn immerhin lautet die Kapitelüberschrift dort "Humor" – der auf diesem funkensprühenden Album bei aller Virtuosität nicht zu kurz kommt.

Hans Ackermann, rbbKultur

Weitere Rezensionen

Tschaikowski und Barber - Violinkonzerte; Montage: rbbKultur
BIS

CD-Kritik - Tschaikowski & Barber: Violinkonzerte

Mit seiner neuen Einspielung der Violinkonzerte von Peter Tschaikowski und Samuel Barber gelingt dem jungen schwedischen Geiger Johan Dalene ein bemerkenswerter Beitrag zum "Geigenjahr" 2020.

Bewertung: