The Wave Quartet: "Carmen" © Sony Classical
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Vier Marimbas - The Wave Quartet: Carmen

Bewertung:

Das Wave Quartet hat Geoges Bizets Oper "Carmen" für vier Marimbas bearbeitet - ein musikalisches Experiment, das zumindest bei den Tänzen gelingt.

Der russische Komponist Rodion Schtschedrin hat 1967 Georges Bizets Oper  in die "Carmen-Suite für Schlagzeug und Streicher" transformiert - als temperamentvolle Ballettmusik für das Moskauer Bolschoi-Theater.

Masse

Von dieser Suite ausgehend haben die vier Musiker bei ihrer Carmen-Bearbeitung eigene Wege gesucht, um auch die Klänge der Streicher zufriedenstellend auf ihre Marimbas zu übertragen. Die besondere Dynamik des Marimbaphons kann dabei - wie das Album leider zeigt - Fluch und Segen zugleich sein. Dazu heißt es im Booklet selbstbewusst: "Der Wave-Klang baut nicht auf Attacke, er wirkt durch Masse".

Dynamik

Dabei ist gerade die rhythmisch-tänzerische "Attacke" die eigentliche Qualität des Marimbas - weshalb auch die Tänze auf diesem Album am meisten überzeugen. Lange lyrische Töne - wie in der "Habanera" und anderen Arien  - sind dagegen für jedes perkussive Instrument ein Problem.  Bogdan Bacanu, einer der vier Mitglieder des Quartetts stellt selbstironisch fest:  "Dieses "blöde Instrument Marimba"  kann ja keinen Ton halten. Und wir wollen keineswegs nur dumm dahinwirbeln - nichts schrecklicher als das!".

Warnung

Den perkussiven Ton nicht künstlich verlängern, dennoch das Instrument zum Singen bringen - ein schwieriges Vorhaben. Wohl auch deshalb findet sich im Booklet der ironisch gemeinte  Warnhinweis:  "Achtung, kein Album fürs Auto" - tatsächlich könnte manch ein zarter Ton hier im Hintergrundrauschen  versinken.

Pop

Dies gilt besonders für die leisen Stellen in der "Habanera" oder im "Intermezzo" der Carmen, aber auch in den drei Popmusik-Bearbeitungen auf diesem Album, darunter "Message in a Bottle". Ursprünglich eine temperamentvolle Tanznummer der britischen Band "Police" wabert der Song hier balladesk durch den Raum, auch Ed Sheerans "Perfect" fehlt die emotionale Kraft. Die gut gemeinten Bearbeitungen werden den originalen Vorlagen leider nicht gerecht.

Avantgarde

Das Schlussstück des israelischen Komponisten Avner Dorman - Schüler des US-Avantgardisten John Corigliano - vermag dann wieder zu überzeugen. Hier können die ausgezeichneten Schlagzeuger ihr perfektes rhythmisches Zusammenspiel zeigen, das vielseitige Marimba hat am Ende des Albums dann noch einmal einen grandiosen Auftritt.

Hans Ackermann, rbbKultur

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