Cecilia Bartoli: Farinelli © Decca
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CD-Kritik - Cecilia Bartoli: Farinelli

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Auf ihrer neuen CD – diesmal schon nach einem, nicht rituell zwei Jahren (aber samt der üblichen Geheimniskrämerei im Vorfeld, was das Thema betrifft) – widmet sich die wirkungsgeschichtlich wichtigste Mezzo-Sopranistin der Gegenwart, Cecilia Bartoli, jenen Arien, die für den berühmtesten Kastraten des 18. Jahrhunderts, Farinelli, geschrieben wurden.

Das haben schon andere getan. Auch verraten die nur zwei Weltersteinspielungen des Albums (von Nicola Porpora aus "Polifemo" und von Riccardo Broschi, dem Bruder Farinellis) ein gewachsenes Augenmaß bei der Aufarbeitung. (Nach dem Motto: Die Zeit der großen Rekord-Wettläufe ist vorbei.) In umso besserem, vokalem Zustand präsentiert sich die heute 53-Jährige. Die Tongebung mag weniger weich, weniger flockig und dafür eine Spur trockener und herber geworden sein. Stattdessen beeindruckt der wohltuende Akzent auf langsameren, verinnerlichteren, meditativeren Titeln, so wie sie einer Eigenart der neapolitanischen Schule entspricht – dessen wichtigster Protagonist Farinelli war (als Gegengewicht zu Händel).  

Mit den epochal wichtigen Alben der Bartoli, etwa "St. Petersburg", "Opera proibita" oder "Sacrificium", kann die neue CD vielleicht nicht konkurrieren. Ihre steile These, dass die Mezzo-Soprane (nicht die Countertenöre) die wahren Nachfolger der Kastraten seien (weil sie nicht fisteln müssen), verteidigt sie dennoch souverän. Dass Bartoli auf dem Cover Bart trägt, ist nichts als ein witziger, selbstironischer Gimmick – oder vielleicht auch ein Tribut an Conchita Wurst. Farinelli, so viel geht aus historischen Abbildungen hervor, trug keinen Bart.

Kai Luehrs-Kaiser, rbbKultur

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