Hector Berlioz: La damnation de Faust © Erato
Bild: Erato

CD-Kritik - Hector Berlioz: "La damnation de Faust"

Bewertung:

Zum 150. Todestag des Komponisten Hector Berlioz ist eine Neuaufnahme der berühmten dramatischen Legende "Fausts Verdammnis" erschienen – mit der Star-Mezzo-Sopranistin Joyce DiDonato als Gretchen. Ist damit der Höhepunkt dieses Feierjahres erreicht?

Es gibt genug Aufnahmen von "La damnation de Faust". Und zwar deswegen, weil diese dramatische Legende ein beliebtes Alibi für die Beschäftigung mit einem der wichtigsten, aber auch sperrigsten Komponisten des 19. Jahrhundert darstellt. Dennoch stellt diese Neuaufnahme des Berlioz-Spezialisten John Nelson eine Besonderheit dar. Nicht nur wegen der überragenden Joyce DiDonato – die eigentlich über das Gretchen hinaus wäre, würden sich nicht Altersfragen im Theater so grandios "verspielen". Und würde DiDonato eine mangelnde Unschuld nicht so souverän durch akrobatische Kunstfähigkeit wettzumachen verstehen.

Erst recht auffällig wird dieser Live-Mitschnitt vom April des Jahres (ich war dabei) durch den amerikanischen Tenor Michael Spyres. Mit metallischem Schmelz und einer lyrisch gesoftete Heroik ist er der beste, wenn nicht der einzig befriedigende Titelheld dieses Werkes seit Nicolai Gedda. Dirigent John Nelson sorgt darüber hinaus für eine Aufgekratztheit, eine innere Turbulenz und Exklamativität (vor allem kraft des Coro Gulbelkian), die bei Berlioz erste, manifeste Ansätze zu einer ‚Ästhetik des Hässlichen’ zu erkennen gibt. Chapeau! Vielleicht ist das alles nicht ganz so epochal wie die zuletzt erschienenen "Troyens" (in derselben Besetzung). Aber auffällig genug.

Kai Luehrs-Kaiser, rbbKultur

Weitere Rezensionen