Gothic Voices © Linn Records
Bild: Linn Records

CD-Kritik - Gothic Voices: "Nowell synge we bothe al and som"

Bewertung:

Das britische Vokalensemble singt Weihnachtslieder, die zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert im mittelalterlichen England entstanden sind.

Die kostbare Auswahl präsentiert Weihnachtslieder, die wie "In natali novi regis" noch auf Lateinisch gesungen wurden, ab dem 12. Jahrhundert aber oft auch schon mittelenglische Texte hatten.

Latein und Mittelenglisch

Im Titelstück des Albums, "Nowell synge we bothe al and som",  zeigt sich dabei eine interessante begriffliche Ähnlichkeit zwischen dem französischen "Noel" und dem mittelenglischen "Nowell"  - beides Begriffe für "Weihnachten". In der modernen Übersetzung bedeutet der Titel des Liedes  "Weihnachten, wenn alle singen".

Lieder und Choräle

Die ein- bis dreistimmigen Lieder aus dem späten Mittelalter kombiniert das britische Spezialensemble mit Gregorianischen Chorälen, die noch älter sind. Dort singen vier parallele Stimmen einstimmige Choralmelodien, bei den meist von anonymen Komponisten verfassten Liedern des Albums findet sich dagegen schon frühe Mehrstimmigkeit. Wenn auf  den lateinischen Choral "O sapientia" das Lied "Ave regina caelorum" von Walter Frye und anschließend das mittelenglische "Lullay, lullay" folgt, führt das versierte Ensemble die musikhistorischen Epochen bruchlos ineinander, von der Gregorianik in die frühe Renaissance.

Festlich-meditative Trance

Die fast 80 Minuten dauernde mittelalterliche Weihnacht verzichtet auf bekannte Lieder und unterscheidet sich damit wohltuend von herkömmlichen "Weihnachtsalben". Die Sammlung enthält stattdessen allerschönste Loblieder, darunter "Edi be thu heven queene" – "Gesegnet seist Du himmlische Königin", in Mittelenglisch aus dem 13. Jahrhundert überliefert und gerettet in unsere Zeit. Beim Hören wird man weniger an süßer nie klingende Weihnachtsglocken erinnert, dafür in eine angenehme und durchaus festlich-meditative Trance versetzt.

Hans Ackermann, rbbKultur

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