El Inmortal; Montage: rbbKultur
Bild: Coviello

Tuba trifft Harfe - "El Inmortal" | "Besser ohne Worte"

Harfe und Tuba – diese reizvolle kammermusikalische Kombination findet sich gleich auf zwei sehr verschiedenen Alben.

Das Album "El Inmortal" präsentiert originale, zeitgenössische Kompositionen für die Besetzung Tuba und Harfe, außerdem Stücke für Klavier und Harfe. Bei "Besser ohne Worte" haben sich die Interpreten Lieder von Robert Schumann und Franz Schubert ausgesucht, dazu Arien von Mascagni, Wagner und Puccini.

Bearbeitungen

"Lieder und Arien sind etwas Wunderbares, keine Frage. Wenn da nicht manchmal der Text wäre". Nach diesem im Beiheft formulierten Motto spielen Andreas Martin Hofmeir und  Andreas Mildner auch "Adagio und Allegro op. 70" von Robert Schumann – das es ja nur in der "etwas armseligen Bearbeitung für Horn und Klavier" gäbe. Bei ihnen dagegen "erklingt das Werk in seiner vollen Schönheit", schreiben die Musiker in ihrem Begleittext.

Vergleich

Eine vollmundige Ankündigung, die sich im Vergleich mit den Originalen aber nicht bestätigt – schöner als Horn und Klavier ist hier nichts. Auch bei den Bearbeitungen der Lieder und Arien bleibt man weit von der Intensität der originalen Gesangswerke entfernt. Dabei wurde Schuberts "Gretchen am Spinnrade, D 118" sogar gleich zwei Mal aufgenommen, die zweite Fassung trägt den Zusatz "genderpolitisch korrekt". Hier spielt der Tubist die Melodie eine Oktave tiefer und schreibt, "auch Männer sind zu blinder Liebe imstande, wenngleich vielleicht nicht immer zwingend am Spinnrad".

Vielseitig

Im Booklet liest man schließlich auch, dass Andreas Martin Hofmeir nicht nur Professor für Tuba am Salzburger Mozarteum ist, sondern Moderator, Schauspieler und Kabarettist. Und hier liegt womöglich die Auflösung eines Missverständnisses: Bei diesem Album handelt es sich in Wirklichkeit um musikalisches Kabarett! Alles nur als Witz gemeint?

Originell

Weitaus origineller präsentiert das Album "El Inmortal" zeitgenössische Kompositionen – und auch eine andere Klangvorstellung des Tubaspiels. Siegfried Jung ist hier der Bläser, arbeitet als Tubist im Mannheimer Nationaltheater, in verschiedenen Rundfunkorchestern und an der Münchner Staatsoper.

Humor

Sein deutlich aufgerauter Ton hat eine Aussage, klingt authentisch, vor allem fehlt ein von außen aufgesetzter Spaß-Faktor. Hier wird ernsthaft musiziert – woraus sich durchaus auch Humor ergibt. Allerdings aus dem Stück heraus, nicht aus der Haltung des Sich-lustig-Machens. Bestes Beispiel ist der "Groteske Landler", ein Stück von Willi März. Rhythmisch scheint hier noch der Paartanz im Dreivierteltakt durch, mit seiner freien Harmonik bringt der Komponist – von Haus aus eigentlich professioneller Zither-Spieler – dann auf spannende Weise Folklore und Avantgarde zusammen.

Rollenspiel

Die zeitgenössischen Komponisten auf "El Inmortal" zeigen, dass man durchaus auch mit Erfolg Lieder für Tuba und Harfe bearbeiten kann – wenn man den Instrumenten Rollen gibt und ihnen Charaktere zuteilt. So hat John Frith sein Lied "My bonny Lad" genau für diese reizvolle Besetzung eingerichtet. Tuba und Harfe erzählen die anrührende Geschichte einer Frau, deren Freund verschollen ist. Sie sucht ihn an Land, ihre zitternde Verzweiflung bringt die Harfe mit verzagten Tönen zum Ausdruck. Der Seemann dagegen kann nur noch vom Meeresgrund antworten, von tief unten, wo die Tuba zuhause ist.

Hans Ackermann, rbbKultur

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