Carl Maria von Weber: Der Freischütz © Pentatone
Bild: © Pentatone

CD-Kritik - Carl Maria von Weber: "Der Freischütz"

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Webers Freischütz gilt bis heute als deutsche Nationaloper. Trotz ihres Ruhms wird sie allerdings gar nicht so oft aufgeführt und noch seltener auf der CD festgehalten. Das Label Pentatone hat nun eine konzertante Aufführung mit dem Orchester des Hessischen Rundfunks herausgebracht – am Pult steht Marek Janowski. 

Weber fand hier zum ersten Mal in der deutschen Geschichte einen Stil, der dem romantischen Geschmack der Epoche entsprach und der etwas ganz Neues, Originelles war. Und er fand auch endgültig zu sich selbst. Der späte Weber-Ton ist so unverwechselbar wie der Rossinis oder Offenbachs. Die Herausforderung für den Dirigenten besteht darin – gerade in unserem stilistisch informierten Zeitalter - diesen spezifischen Ton so herauszuarbeiten, dass die Einzigartigkeit hörbar wird.

Für einen Dirigenten, der 1976 mit seiner Euryanthe neue Maßstäbe in Sachen Weber setzte, enttäuscht Janowski. Sein Freischütz klingt wie eine Mischung aus Holländer und Lohengrin, so als wäre Webers Werk eigentlich früher Wagner.

Das kann man machen – aber will man das nach Kleiber, Gardiner, Mackerras noch einmal so schwergewichtig hören? Im Konzertsaal – vielleicht. Auf der CD? Lässlich.

Nur die dunklen Männer überzeugen

Nun könnten stilsichere Sänger eventuell den robusten Orchestersound vergessen lassen. Doch die Interpreten wirken seltsam alleingelassen. Sie singen höflich, oratorisch, aber mit wenig dramatischem Brio.

Andreas Schager (Max) ist nicht der Tenor, der irgendeinem früheren Interpreten der Rolle auf Tonträgern etwas Charmantes entgegenzusetzen hätte. Hier: eine unschöne, spitze Stimme ohne Fleisch mit einem nörgelnden Unterton – als hätte sich der Jäger auf der nächtlichen Tour gründlich erkältet. Lise Davidsen als Agathe – sie wäre gut eine Brünhilde gewesen, in dieser Rolle klingt sie viel zu schwergewichtig. Sofia Fomina hat großartiges Stimmmaterial, aber ihr Ännchen ist blaß und langweilig gestaltet, das Schelmische fehlt komplett, die Textverständlichkeit ist grenzwertig.  Einzig die dunklen Männerstimmen (Alan Held, Markus Eiche, Franz-Josef Selig) und der gut instruierte Leipziger Rundfunkchor des MDR halten, was die elegante Verpackung des Labels verspricht.

Rohrkrepierer

Um im Freischütz-Bild zu bleiben: dies ist ein absoluten Rohrkrepierer. Hier hätte es wirklich einer Freikugel bedurft, um zielführend zu sein. Sicher können beide – das Label und der Dirigent – auch mal einen Flop verkraften. Pentatone hat in der letzten Zeit so viele exzellente Aufnahmen auf den Markt gebracht, dass diese Verirrung kaum ins Gewicht fällt, und Janowski bleibt für mich einer der besten Wagner-Dirigenten der letzten Jahrzehnte. Aber schade ist es um die verpasste Chance. Vielleicht dann noch irgendwann lieber mal die Berlioz-Fassung mit Minkowski oder Bloch?

Ach ja, wichtiges PS: Wie lächerlich und prätentiös, deutsche Orchester und Chöre ins Englische zu übersetzen! Il Giardino Armonico tauft man ja auch nicht in The Garden of Harmony um. Frankfurt Radio Symphony und MDR Leipzig Radio Choir – da möchte man wie Rezo fragen: Really, Pentatone?

Matthias Käther, rbbKultur

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