Der französische Komponist Daniel-François-Esprit Auber; © dpa/Luisa Ricciarini/Leemage
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Drei CD-Neuerscheinungen - Daniel-Francois-Esprit Auber

Bewertung:

Er gehörte einst zu den erfolgreichsten Opernkomponisten Frankreichs, und so unterschiedliche Persönlichkeiten wie Peter Tschaikowsky, Richard Wagner und Jacques Offenbach haben ihn bewundert: Daniel-Francios-Esprit Auber.

Einst waren Werke wie FraDiavolo oder Die Stumme von Portici Kassenhits, heute werden sie kaum noch gespielt. Jetzt sind gleich mehrere neue Auber-Cds auf dem Markt erschienen. Drei Aufnahmen im Qualitäts-Check:

Daniel Francois Esprit Auber Ouvertüren Vol.2 © Naxos
Bild: Naxos

1. Ouvertüren, Tschechische Kammerphilharmonie, Dario Salvi

Gerade Aubers Ouvertüren waren im 19. Jahrhundert extrem populär, etwa vergleichbar mit denen von Rossini oder Suppé, sie existierten losgelöst von den Opern im Konzertsaal, als Transkription oder für die Kurkapelle. Dies ist auch nicht die erste Ouvertüren-CD, auch nicht bei der Firma Naxos, allerdings ist dies eine sehr ungewöhnliche Auswahl. Es handelt sich ausnahmslos um Ouvertüren und Vorspiele zu Opern aus seinen frühen Jahren, vor seinem internationalen Sensationserfolg mit der Stummen von Portici 1828. Sie stammen aus den Jahren von 1813 bis 1826, immerhin sind das 14 der 16 Stücke Weltersteinspielungen. Allerdings auch problematische Weltersteinspielungen, von denen ich nicht sicher bin, ob sie die Welt wirklich braucht.

Denn erstens funktionieren die fipsligen Anderthalb-Minüter, die einst als Vorspiele zu einzelnen Akten dienten, auch nur genau dort: vor den Akten zur Einstimmung. Losgelöst wirken sie mit wenigen Ausnahmen flüchtig und substanzlos. Die Ouvertüren zeigen Auber immer noch im (meist vergeblichen) Kampf mit den Vorbildern Rossini und Boueldieu. Einzig die Ouvertüren zu Le Macon und La Neige vermitteln einen starken Eindruck von dem, was Auber wirklich kann.

Musiziert wird übrigens sehr akzeptabel bis beglückend. Klar ist das ein Muss für alle Hardcore-Auber-Fans. Für Grenzgänger und Zaungäste eher lässlich.

Daniel Francois Esprit Auber le Macon © orfeo
Bild: Orfeo

2. Le Macon (Maurer und Schlosser) Orfeo, Kurt Tenner 1950

Selbst den Hardcore-Fans sei von dieser Ausgrabung aus dem Archiv des Österreichischen Rundfunks abgeraten. Der Staub liegt fingerdick auf dieser Version. Das ist umso tragischer, als eine Reanimierung von Le Macon dringend geboten erscheint, nicht umsonst war dies das erfolgreichste Jugendwerk des Komponisten und besonders im Deutschland des 19. Jahrhunderts so etwas wie der beste Lortzing, der nicht von Lortzing selbst stammte.

Allerdings ist eine Verstümmelung der dreiaktigen Partitur auf eine knappe Radiostunde selbst für die Fünfziger ein bisschen heftig. Wir bekommen eine dunkle Ahnung, dass dies im Original ein hübsches Werk gewesen sein muß. Das wars auch schon. Denn grässliche Tonqualität (Übersteuerung), biedere Zwischentexte und stilistisch völlig ungenügende Stimmen verhindern jeglichen Genuss. Sagt ein huntervierprozentiger Auber-Fan. Dann muss es schon schlimm sein.

Daniel Francois Esprit Auber Le cheval bronze © orfeo
Bild: orfeo

3. Le Cheval de Bronce (Das Bronzepferd) Orfeo, Kurt Richter 1953

Ein andres Kaliber ist da schon der zweite Fund, eine Aufnahme unter Kurt Richter mit Stimmen wie Kurt Equiluz und Wilma Jung, eine Studioaufnahme aus dem Jahr 1953.

Mittelklasse mit Ausreißern nach oben. Zwei Dinge überzeugen hier: erstens wurde vieles aus der Originalpartitur übernommen – es gibt keine Dialoge und 86 Minuten Musik von Auber, netto ist das eine Menge Musik für diese Ära, zum andern ist in dieser durchgeknallte Oper, in der es um Chinesen geht, die zur Venus fliegen, vieles immer noch lustig anzuhören. Stilistisch ist auch dies nicht gerade das, was wir von einer Opera comique heute erwarten würden, aber als launige Spieloper geht das immer noch passabel durch.

Eine positive Überraschung: man hat sich hier mal nicht, wie so oft damals, vor den extrem schwer zu singenden Passagen gedrückt. Aubers Werk wurde nicht zur Operette degradiert, zu meiner Überraschung hat man die gefürchtete große Koloraturarie aus dem dritten Akt hier gnadenlos einsingen lassen; Prinzessin Stella wird geträllert von Herta Schmidt, und das macht sie für 1953 ganz ausgezeichnet. Diese Nummer allein ist den Kauf schon wert.

Matthias Käther, rbbKultur

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