Elsa Dreisig: "Morgen" © Erato
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CD-Kritik - Elsa Dreisig: "Morgen"

Bewertung:

Auf ihrer zweiten Solo-CD "Morgen" verspricht die französisch-dänische Sopranistin Elsa Dreisig – ein Publikumsliebling der Berliner Staatsoper – eine "innere Reise durch die Jahreszeiten der Seele".

Dies ist, fürchte ich, doch eher die poetische Umschreibung für eine selbstbewusste, aber völlig willkürliche Programmzusammenstellung. Die "Vier letzten Lieder" von Richard Strauss werden auseinander gerissen und zwischen Werke von Henri Duparc und Serge Rachmaninoff eingestreut – mit denen sie außer einer diffusen Wagner-Nachfolge herzlich wenig zu haben.

In den höchsten und tieferen Registern verliert Dreisig massiv an jener Gestaltungssouveränität, die sie sonst an den Tag legt. Die Stimme verströmt Jugend. Von Textverständlichkeit kann höchstens bei den französischen Titeln die Rede sein. Die Klavier-Begleitung durch Jonathan Ware, sonst Korrepetitor an der Barenboim-Said-Academy, bleibt holzschnittartig.

Talentnachweis – kaum mehr

Gemessen am aufwendigen Hin und Her zwischen den völlig unterschiedlichen kompositorischen Welten bleibt die CD zu monochrom. Dies ist ein Talentbeweis. Kaum mehr.

Kai Luehrs-Kaiser, rbbKultur

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