Haydn & Stamitz © Pentatone
Bild: Pentatone

CD-Kritik - "Haydn & Stamitz"

Bewertung:

Die australische Flötistin Ana de la Vega wurde 2018 mit ihrer Aufnahme der Mozart-Konzerte ganz plötzlich zum Kritiker- und Publikumsliebling. Gemeinsam mit dem spanischen Oboisten Ramón Ortega Quero spielt sie nun Doppelkonzerte von Haydn und Stamitz und bleibt damit ihrer klassischen Linie treu.

Die Harmonie zwischen den beiden Solisten gerade bei den Haydn-Konzerten ist geradezu schwindelerregend. Die meiste Zeit spielen sie parallel, da werden höchste Ansprüche an die Gemeinsamkeit gestellt, fast wie beim Synchronschwimmen. Nur an ganz wenigen Stellen dividieren sich die beiden auseinander. Dann findet ein freundlicher Wettstreit ganz im Sinne der ursprünglichen Bedeutung des Wortes Concerto statt.

Die Lira organizzata, für die Haydn die Konzerte komponiert hat, war eine Kombination aus Drehleier und kleiner Orgel, sie stand im Ruf, ein Hirteninstrument zu sein, obwohl es sicher nie ein Hirte angefasst hat. Stattdessen spielte zum Beispiel der König von Neapel, Ferdinand IV., ein solches Instrument. Zusammen mit seinem Lehrer wollte er Konzerte spielen und beauftragte mehrere Komponisten, ihm solche Stücke zu schreiben. Haydn komponierte 1786 sechs Doppelkonzerte für dieses Instrument, alle kurz und eher schlicht gehalten. Aus heutiger Sicht sind sie einfach zu schlicht, um tieferes Interesse zu erregen. Leider helfen da auch hochrangige Solisten nicht, so reizvoll der Klang von Flöte und Oboe auch ist.

Flinke, glänzende Melodielinien

Carl Stamitz bereiste als Allround-Musiker ganz Europa und schrieb immerfort Musik, die gerade gebraucht wurde. Das heißt, er hat sich auch den Instrumenten und Instrumentalisten angepasst und das Doppelkonzert für Flöte und Oboe wohl für echte Profimusiker geschrieben. Da passiert dann endlich auch etwas zwischen den beiden Instrumenten. Ramón Ortega Quero spielt seinen klaren und singenden Oboenton aus und Ana de la Vega zieht mit ihrer Brillanz flinke, glänzende Melodielinien. Die Flötistin kann sich bei einem Solokonzert von Stamitz dann so richtig entfalten und zeigt ihre überragende Klasse.

Mehr Entdeckerfreude beim Repertoire hätte dieser CD gut getan, da alle Beteiligten beste Voraussetzungen für eine begeisternde Interpretation mitbringen. Leider können sie bei den braven Haydn-Konzerten ihre Stärken nicht wirklich zeigen.

Dirk Hühner, rbbKultur

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