Luciano Berio: Transformationen © Sony
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Bach, Brahms, Beatles - Luciano Berio: Transformationen

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"Orchestriert von Luciano Berio" steht in Klammern hinter den Werken von Bach, Brahms Mahler, Boccherini und de Falla - Komponisten, die der italienische Avantgardist stilsicher modernisiert hat.

Es sind beeindruckende klangliche Verwandlungen, die der 1925 geborene italienische Komponist den alten Meistern angedeihen lässt. In Berios Bearbeitung des Contrapunctus XIX aus Bachs  "Kunst der Fuge"  wird strenge Polyphonie in weich fließende Klänge transformiert.

Orchesterlieder

Hervorragend gelungen sind dem 2003 gestorbenen Pionier der elektronischen Avantgarde - der seit den 1960er Jahren in eine Reihe mit Pierre Boulez oder Karlheinz Stockhausen  gehörte -  auch die Bearbeitungen der  "7 Canciones Populares Españolas" von Manuel de Falla. Hier singt die spanische Sopranistin Sophia Burgos, später ist der Regensburger Bariton Benjamin Appl mit einer Auswahl von Mahler-Liedern zu hören. "Ich ging mit Lust durch einen grünen Wald", für dieses naturverbundene  - und damit typische - Lied von Gustav Mahler hat sich Berio mit großer klanglicher Phantasie eine tatsächlich vom Wald "sprechende" Orchesterbegleitung ausgedacht. 

Anverwandlung

Zum Ende von CD 1 folgt dann die Bearbeitung der Sonate op. 120 von Johannes Brahms.  Der Klarinettist der Wiener  Philharmoniker Daniel Ottensamer wird hier vom Sinfonieorchester Basel in sinfonisch-sommerliche  Klänge eingehüllt. Luciano Berio hat diese Bearbeitung 1986 als vorzügliches Beispiel seiner überragenden Fähigkeiten der künstlerischen Anverwandlung angefertigt.

Popsongs

Aus dem Material vergangener Epochen neue Klänge zu entwickeln, dieses Vorgehen hat Berio zeitlebens gereizt. In einem Fall mag ihn das Angebot sogar ein wenig überreizt haben: die Bearbeitungen ausgewählter Lieder der Beatles wirken fast wie musikalische Satire - und waren womöglich auch so gemeint. Sophia Burgos singt  "Ticket to Ride" als barocke Arie, das Orchester begleitet den an sich unverwüstlichen Popsong mit Blockflöten und Cembalo. Zum Glück wurde das Lied zusammen mit "Michelle" und "Yesterday" als doch sehr spezielle "Transformationen" auf eine zweite CD verbannt.

Hans Ackermann, rbbkultur

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