Luigi Cherubini, Geistliche Werke © Rondeau
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Alte Musik - Luigi Cherubini: "Geistliche Werke"

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Luigi Cherubini - Ein Komponist, der nicht allzu geläufig ist, von dem man allenfalls noch das Requiem in c-Moll kennt. Diese CD bringt Sakralkompositionen Cherubinis, die völlig unbekannt sind in Ersteinspielung!

Ausgrabungen aus halb Europa

Sämtliche Werke schlummerten bislang in Archiven. Im Florenz, wo Cherubini geboren wurde, in Berlin, wo er eine kürzere Zeit verbrachte und in Paris, wo er schließlich 54 Jahre lang gelebt hat und als Komponist und Professor tätig war. Ein Notenmanuskript wird auch in Krakau aufbewahrt.

Es sind Kompositionen aus einem Zeitraum von beinahe fünfzig Jahren Lebenszeit. Cherubini wurde 1760 geboren, vier Jahre nach Mozart und starb erst 1842, in jenem Jahr, in dem Wagner seine Oper „Rienzi“ herausbrachte. Also man kann anhand dieser Werke auch einem enormen stilistischen Wandel nachspüren...

Zwei Laienensembles mit semiprofessionellem Charakter

Der Kammerchor der Frauenkirche Dresden und das Ensemble Frauenkirche unter Leitung von Frauenkirchenkantor Matthias Grünert agieren hier zwei sehr ambitionierte Laienensembles, die u.a. aus ehemaligen Mitgliedern des Kreuzchors bestehen und diesem ausgefallenen Repertoire größtenteils gerecht werden. Man muss dazu bedenken, dass diese Musik für alle Beteiligten ja völlig neu war, quasi von Null erarbeitet werden musste...

"Akademische Vorarbeit" an der Hochschule für Musik "Franz Liszt" in Weimar

Diese CD wäre niemals entstanden ohne das "inoffizielle Zentrum" der Cherubini-Forschung in Deutschland, nämlich der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar. Dort hat Prof. Helen Geyer in den 1990er Jahren mit der Aufarbeitung der Werke des Komponisten begonnen. In den letzten Jahren – sie ist mittlerweile  im Ruhestand – konnte Helen Geyer etliche ihrer Studenten und Doktoranden für Cherubini begeistern.

Inzwischen arbeitet man einer kritischen Gesamtausgabe der Werke und auch ein Cherubini-Werkverzeichnis ist in Arbeit. Die Weimarer Forscher haben in den letzten Jahren etliche Werke Cherubinis wiedergefunden, vor allem aus der Frühphase seines Schaffens in Mailand. Aber auch an seinem Hauptwirkungsort Paris sind noch etliche Schätze zu heben. Für diese CD ausgegraben hat man u.a. das eindrucksvolle "Kyrie und Pater noster", komponiert 1816 für die königliche Kapelle.

Wie der Cherubini-Begeisterung an die Dresdner Frauenkirche kam

Der Weimarer Musikwissenschaftler Michael Pauser hat sämtliche Werke auf dieser neuen CD als Notenmaterial editiert, nach dem aktuellen Stand der Cherubini-Forschung. Und er hat dem Kantor an der Frauenkirche Matthias Grünert vor ein paar Jahren einige davon gezeigt und damit dessen Interesse und Begeisterung geweckt. Vor drei Jahren haben die Ensembles der Frauenkirche bereits Cherubinis Requiem in c-Moll aufgenommen. Jetzt also dieses hörenswerte Konvolut an vergessenen Werken mit mehrsätzigen Kompositionen.

Große Vielfalt in der Besetzung - hervorragende Gesangssolisten

Es gibt mehrsätzige Chorwerke, in denen auch Arien bzw. Solopartien mit Chor vorkommen. Die vier Gesangssolisten sind hervorragend. Sibylla Rubens ist mit dabei, ein großartiger Oratoriensopran, dann zwei Männerstimmen der jüngerem Generation aus dem Umfeld der mitteldeutschen Knabenchortradition, Tobias Hunger, Tenor und Tobias Berndt, Bass. Regelrecht begeistert die Altistin Britta Schwarz, die "Grande Dame des Oratoriums" in Dresden. Das "O salutaris hostia" für Alt und Orchester wird durch ihr Timbre regelrecht vergoldet! Schon deswegen lohnt der Kauf der CD...

Fazit: Gute Solisten, ordentliches Orchester, Schwachstellen im Chor

Die Aufnahmen entstanden in der Dresdner Frauenkirche. Auf dem schön gestalteten Cover der CD, natürlich ist die Kuppel zu sehen, die seit der Eröffnung des wiederaufgebauten Gotteshauses im Jahr 2004 Massen von Touristen anzieht. Die Akustik unter dieser Kuppel ist natürlich sehr hallig - sicher mit ein Grund dafür, dass das Orchester den Chor bisweilen zudeckt, so dass die klangliche Balance nicht immer optimal austariert ist. Die Gesangssolisten sind - wie gesagt - hervorragend.

Das Orchester, also das "Ensemble Frauenkirche" spielt unter Stabführung von Matthias Grünert sehr durchsichtig und klar und sehr temperamentvoll, man vergisst bisweilen, dass es moderne Instrumente sind. Das ist historisch informiert in gutem Sinne, aber die Schwachstelle ist leider der Chor. Sein Klang ist, gerade bei den späteren Werken auf der CD, die doch schon deutlich romantischen Duktus haben, schlicht zu dünn. Und wenn es hochdramatisch wird und in große Höhen geht, dann sind die Soprane überfordert. Der "späte Cherubini" klingt ja schon sehr nach Hector Berlioz und da merkt man eben, wo die Grenzen dieser guten Laiensänger liegen. Dennoch lohnt sich wirklich absolut, diese vergessene Musik zu entdecken!  

Claus Fischer, rbbKultur

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