Nikita Koshkin: 24 Präludien und Fugen © Naxos
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CD-Kritik - Nikita Koshkin: 24 Präludien und Fugen

Bewertung:

24 Präludien und Fugen für die klassische Gitarre hat der 1956 geborene russische Komponist Nikita Koshkin vor einigen Jahren komponiert.  Der Komponist folgt im Prinzip Johann Sebastian Bach und dessen "Wohltemperiertem Klavier", aber auch Frédéric Chopin, der sich mit seinen 24 Préludes ebenfalls auf eine bestimmte Weise durch die Tonarten bewegt hat.

So wie Johann Sebastian Bach im "Wohltemperierten Klavier" fängt auch Nikita Koshkin mit "Präludium und Fuge in C-Dur" an. Danach bewegt sich der Zyklus dann aber nicht wie bei Bach in Halbtönen fort. Stattdessen folgt nach den ersten beiden Stücken die parallele Molltonart:  "Präludium und Fuge in a-moll".

Quintenzirkel

Diese Reihenfolge entspricht den tonalen Verwandschaftverhältnissen, wie sie im sogenannten "Quintenzirkel" veranschaulicht werden. Befolgt man beim Komponieren diese Anordnung, ergibt sich für das Hören jenseits aller musiktheoretischen Zusammenhänge ein musikalisches Werk in 24 Sätzen. Beim "Wohltemperierten Klavier" hat man es dagegen eher mit Zweierpaaren aus Präludium und Fuge zu tun, Bach wandert entlang der chromatischen Tonleiter, während  Koshkin – wie auch Chopin in seinen "24 Préludes" – dem tonalen Zusammenhang folgt.

Meisterschülerin Asya Selyutina

Die vorzügliche Interpretin hat vor Jahren bei Nikita Koshkin studiert, der seiner Meisterschülerin diesen Zyklus gewidmet hat.  Koshkin gehört in der europäischen Gitarrenszene zu den wichtigen zeitgenössischen Komponisten. In seinen vielseitigen Werken geht er grundsolide mit dem Kontrapunkt um – mit unüberhörbarem Bezug auf Bach, aber auch auf Schostakowitsch. Diese Komponisten zählt der 1956 in Moskau geborene Koshkin  ausdrücklich zu seinen wichtigsten Einflüssen.

Keine Experimente

Eine experimentelle Dimension sucht man in diesen Werken allerdings vergeblich. Das  Instrument wird harmonisch und rhythmisch modern in Szene gesetzt, bei den Spieltechniken aber kommt Asya Selyutina ohne extreme Klangerzeugung aus. Ihr kontrollierter Ton, gespielt auf einem Instrument aus der Werkstatt des englischen Gitarrenbaumeisters Peter Barton, wurde hervorragend aufgenommen – ganz so, wie es diese kostbare und filigrane Musik verdient.

Vorfreude

Musiktheoretisch Interessierte werden bemerken, dass auf diesem Album mit den 24 Präludien und Fugen nur der halbe Quintenzirkel durchschritten wird.  Denn insgesamt ergeben sich 48 Sätze – wenn auf jedem der 12 Halbtöne, jeweils in Dur und Moll ein Präludium und eine Fuge komponiert werden.  Die CD ist folgerichtig mit "Volume 1" überschrieben, auf eine baldige Fortsetzung kann man sich jetzt schon freuen.

Hans Ackermann, rbbKultur

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