Robert Schumann: Violinkonzert, Johannes Brahms Doppelkonzert
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Orchesterwerke - Robert Schumann: Violinkonzert d-Moll | Johannes Brahms: Doppelkonzert a-Moll op. 102

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Das Violinkonzert von Schumann und das Doppelkonzert von Brahms haben viel gemeinsam: Es sind die letzten Orchesterwerke der beiden Komponisten und sie standen lange im Schatten ihrer anderen Werke. Bei beiden hatte auch Joseph Joachim seine Finger im Spiel. Der Dirigent Andrew Manze hat die Konzerte nun mit prominenten Solisten besetzt und auf eine CD zusammengebracht.

Die wichtigste musikalische Gemeinsamkeit der beiden Konzerte besteht darin, dass die Soloinstrumente mit den Orchesterstimmen verwoben sind. Virtuosität bedeutet hier nicht das Brillieren vor dem Orchester, sondern das Hineintauchen in den Gesamtklang voller innerer Dialoge. Für diese sind beiden Solisten Antje Weithaas und Maximilian Hornung eine Traumbesetzung.

Antje Weithaas hat in dem Violinkonzert von Schumann kaum einen Takt zum Verschnaufen. Fast ununterbrochen muss sie die Themen weiterspinnen und variieren. Ihre Fähigkeiten als Konzertsolistin und als Kammermusikerin sind hier genauso gefragt wie ihr klarer und durchsetzungsfähiger Ton. In Schumanns poetischen Landschaften verliert sie nie den Faden. So bleibt sie hörbar an der vordersten Linie, ohne dominant wirken zu müssen.

Die wiedergefundene Freundschaft von Brahms und Joseph Joachim

Im Doppelkonzert von Brahms hat Maximilian Hornung seinen Auftritt. Es ist ein fast symbolisches Werk für die wiedergefundene Freundschaft von Brahms und Joseph Joachim. Das Zusammenspiel von Cello und Geige kann durchaus als ein Wunschbild einer neuen Harmonie von Brahms und Joachim gehört werden.

Der Cellist als Quasi-Verkörperung von Brahms bestimmt unaufdringlich und freundlich den Ton und gleitet nie ins Brummige ab. Der Dirigent Andrew Manze ist selbst auch Geiger und hat volles Verständnis für die Solisten, er führt das Orchester so, dass ihnen immer genügend Raum bleibt. Und die NDR Radiophilharmonie agiert fast wie ein Kammerorchester, leichtfüßig und niemals überakzentuiert.

Zwei lange unterschätzte Werke

Die Kopplung der beiden Konzerte erweist sich als historisch und musikalisch sehr sinnfällig. Die äußerst unterschiedlichen Persönlichkeiten von Schumann, Brahms und Joachim kommen so an einen Tisch. Die Interpretationen vermitteln einen liebevollen und klarsichtigen Umgang mit zwei lange unterschätzten Werken: visionär, poetisch und versöhnlich.

Dirk Hühner, rbbKultur

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