Sunhae Im: "Didone abbandonata" - Kantaten & Arien © cpo
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Kantaten & Arien - Sunhae Im: "Didone abbandonata"

Bewertung:

Manche Stoffe der Weltliteratur waren so ungeheuer beliebt, dass sie viele Male als Oper auf die Bühne kamen. Zu ihnen gehört auch die antike Sage der Königin Dido aus Kartagho, die sich aus Liebeskummer das Leben nahm – Vergils tragische Liebesgeschichte ist einer der meistvertonten Plots überhaupt. Nun ist bei eine CPO ein Soloalbum der koreanischen Sopranistin Sunhae Im erschienen. 

Der Held Aneas kommt auf einer Irrfahrt auch in Karthago vorbei, die Stadt ist noch ganz jung, und Dido ihre Gründerin und Königin, und Dido verliebt sich unsterblich in ihn. Aber wie abenteuernde Helden nun mal sind: er will irgendwann weiter und zieht los, und sie ist so bekümmert und verzweifelt, dass sie sich umbringt. In manchen Versionen ist sie wahnsinnig, in anderen brennt Karthago ab, während sie gleichgültig und depressiv die Stadt ihrem Schicksal überlässt. Etwa neunzig Mal ist der Plot vertont worden.

Das Album heißt Didone abbandonata und gibt damit ganz klar die Einschränkung vor: es geht um italienische Musik des 18. Jahrhunderts – Opernarien aus Didone-Opern, meist nach dem supererfolgreichen Libretto von Pietro Metastasio. Zu finden sind hier aber auch kleinere Solo-Kantaten zum Dido-Thema, echte Raritäten etwa von Faggioli. Vermissen wird man hier also konsequenterweise Musik aus den berühmtesten Vertonungen, denen von Berlioz und Purcell, aber dafür entdeckt man hier wirklich atemberaubend schöne Opera-Seria-Musik, etwa von Hasse, Sarro und Vinci.

Gemausert

Zweifellos hätte eine Didone-Platte für Simone Kermes oder Julia Leszneva anders ausgesehen: mehr Feuerwerk, mehr Koloraturkaskaden. Sunhae Im ist in den letzten Jahren lyrischer, verhaltener geworden, und deswegen stehen hier auch eher die großen lyrischen Bögen als eruptive Arien im Mittelpunkt. Wenn die eruptiv ist, bleibt sie allerdings souverän, nirgendwo spürt man Anstrengung oder Forciertheit, sie gleitet über die Noten wie eine erfahrene Beach-Surferin. Vergleicht man das mit Aufnahmen der Sängerin vor 15 Jahren, spürt man, dass ihr diese äußerliche Seite des Gesangs nicht mehr so viel bedeutet. Sie ist komplett weg vom frühen Zwitschervogel- Image, an dem ihre Landsmännin Sumi Jo letztendlich scheiterte. Sie hat sich – um im Bild zu bleiben – gemausert. Der dramatische Ausdruck ist superb, vor allem in den langsamen Stücken.

Kein Muskelspiel

Teatro del Mondo: trotz des italienischen Titels eine deutsche Gründung, Cembalist und Dirigent  Andreas Küppers ist auch ihr Leiter. Dieses Barockensemble gibt es seit etwa acht Jahren, es ist recht sparsam mit CD-Aufnahmen, Qualität scheint hier wichtiger als Quantität. Auch ihr voriges Album  mit Orpheus-Vertonungen bei cpo war bemerkenswert. Mir gefällt, dass es zur Abwechslung mal ein diskretes Ensemble ist, also kein Rasseln, Rasen und Toben auf den Barockinstrumenten um des reinen Effekts willen. Wenig vordergründige Muskelprotzerei; die Musiker spielen ihre Gesangs-Solistin nie an die Wand. Sie bleiben mit ihrer Kunst präsent, ohne vom Gesang abzulenken. Eine schwierige Balance, die ihnen glücklich gelingt.

Matthias Käther, rbbKultur

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