Tschaikowski und Barber - Violinkonzerte; Montage: rbbKultur
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CD-Kritik - Tschaikowski & Barber: Violinkonzerte

Bewertung:

Mit seiner neuen Einspielung der Violinkonzerte von Peter Tschaikowski und Samuel Barber gelingt dem jungen schwedischen Geiger Johan Dalene ein bemerkenswerter Beitrag zum "Geigenjahr" 2020.

Die Geige ist das "Instrument des Jahres 2020" – nach diesem vor allem musikpädagogisch bedeutsamen Votum der Landesmusikräte wird sich auch im Konzertleben und bei den CD-Produktionen in diesem Jahr vieles um die Violine drehen.

Kostbares Instrument

Johan Dalene spielt ein äußerst kostbares Instrument, die Stradivari "Spencer Dyke". Sie ist benannt nach ihrem historischen Vorbesitzer, dem englischen Geiger Spencer Dyke. 1880 geboren, hatte er um 1920 in London sein eigenes Streichquartett. Johan Dalene hat die wertvolle Geige gerade erst von einer norwegischen Stiftung zur Verfügung gestellt bekommen. Ein schönes, auffallend dunkles Instrument, das vergleichsweise hell klingt - ideal für einen ambitionierten Solisten.

Hochbegabter Solist

Gerade erst 19 Jahre alt geworden, hat Dalene neben vielen Auszeichnungen zuletzt in Odense den renommierten Carl-Nielsen-Preis gewonnen. Auf seiner CD präsentiert sich der Geiger nun mit dem sehr bekannten Konzert von Peter Tschaikowski, dem er das weniger bekannte Werk von Samuel Barber gegenüberstellt.

Hier muss der Geiger im ersten Satz ohne Orchestereinleitung sofort mit dem Hauptthema die Führung übernehmen. Im zweiten Satz dagegen hat er eine lange Wartezeit zu überstehen: die Oboe spielt zunächst das Thema, gefolgt von verschiedenen Holzbläsern und dem Solo-Horn. Erst nach etwa zwei Minuten setzt dann die überaus zarte Geigenstimme ein. Wer Samuel Barber bisher für sein berühmtes "Adagio for Strings" geschätzt hat, wird dieses Andante im Violinkonzert lieben – eine einzige lange Linie, die vom Solisten wie auch vom hervorragenden Orchester aus Norrköping einen ebenso langen Atem erfordert.

Intelligente Interpretation

Beide Konzerte spielt Johan Dalene mit atemberaubender Virtuosität, bleibt aber gerade bei Tschaikowski den aufwallenden Emotionen gegenüber auf Distanz – vielleicht will er sich (noch) nicht in emotionale Untiefen hineinziehen lassen und stattdessen lieber einen kühlen Kopf bewahren. Verglichen mit dem Wettbewerbsprogramm in Odense, bei dem Dalene die Jury und das Publikum mit Sonaten von Eugène-Auguste Ysaÿe schwindlig gespielt hat, kann er auf diesem Album – für seine Verhältnisse – geradezu entspannt aufspielen. Dieser junge Geiger ist noch lange nicht am Limit angekommen.

Hans Ackermann, rbbKultur

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