Bruno Walter – The Complete Columbia Album Collection; © SONY
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CD-Box - "Bruno Walter – The Complete Columbia Album Collection"

Bewertung:

Gesammelt auf 77 CDs – davon allein acht mit Interviews, Probenmitschnitten und persönlichen Grußworten – repräsentiert die "Complete Columbia Album Collection" von Bruno Walter (1876-1962) das (mehr oder weniger) komplette amerikanische Erbe des Berliner Jahrhundert-Dirigenten.

Als persönlicher Freund des (gut 16 Jahre älteren) Gustav Mahler bildeten dessen Symphonien eine Hauptmission für Bruno Walter. Die andere galt dem Werk Mozarts (der damals in den USA gleichfalls als Kassengift galt). Entsprechend zu schaffen machte Walter in diesen Exil-Aufnahmen die Tatsache, dass er den New Yorker Orchestern (darunter das für ihn zusammengestellte Columbia Symphony Orchestra und das New York Philharmonic) Mahler wie Mozart mehr oder weniger von Beginn an erklären musste.

Das sorgt für manche Imperfektion der Wiedergabe. Aber ebenso für eine "Unschuld" der Erstbegegnung, die man heute mit keinem Spitzenorchester der Welt herzaubern könnte. Konkurrenzlos ernst und gravierend wirken die Mahler-Interpretationen (der Symphonien Nr. 1, 2, 4, 5 und 9 sowie des "Liedes von der Erde").

Etwas angejahrter klingen die Mozart-Symphonien. Wobei Recitals mit Ezio Pinza und George London unvergleichlich gute Mozart-Sänger aufbieten. Solisten wie Zino Francescatti, Rudolf Serkin, Nathan Milstein, Isaac Stern und Joseph Szigeti leuchten ohnehin unvermindert.

Nicht schwerer als nötig

In den neu remasterten Aufnahmen (angeblich 31 CDs in Stereo, 29 in Mono) zeigt sich, dass Bruno Walter, anders als heutige Dirigenten, nicht zyklisch dachte. Lediglich von Beethoven gibt es sämtliche Symphonien. Von Mozart, Schubert, Schumann und Bruckner dagegen nur Vereinzeltes.

Der vielbeschworene "Humanismus" Walters zeigt sich musikalisch wohl darin, dass er alle Musik von Mozart her interpretierte (ohne sie "schwerer" zu machen als nötig). Leonard Bernstein (der von Bruno Walter die Mahler-Mission erbte und direkt übernahm) sagt in einem kurzen Statement zum 80. Geburtstag den sinnigen Satz, Bruno Walter habe jedes Orchester so dirigiert, als handele es sich um einen Chor.

Etliche berühmte Aufnahmen, darunter das "Lied von der Erde" mit Kathleen Ferrier sowie die legendäre "Walküre" (1. Akt) mit Lotte Lehmann, fehlen (da sie für andere Labels aufgenommen wurden). Vieles, aber nicht alles war schon früher auf CD greifbar (neu hier, wenn ich richtig sehe, Wiederveröffentlichungen mit dem seither untergegangenen Philharmonic Symphony Orchestra of New York). Ein geborenes Sammlerobjekt.

Kai Luehrs-Kaiser, rbbKultur

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