Ouvertures for Orchestra; Montage: rbbKultur
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Alte Musik - "Ouvertures for Orchestra"

Bewertung:

Orchestersuiten von drei Bachen mit Concerto Italiano

Rinaldo Alessandrini; © naïve
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Höchst beliebt war in der Zeit um 1700 die Ouvertürensuite. Auch kleinere und kleinste Höfe im mitteldeutschen Raum – Eisenach, Meiningen, Köthen – konnten sich durch die Darbietung solch französisch inspirierter Musik ein wenig wie das große Vorbild Versailles fühlen.

Rinaldo Alessandrini hat mit seinem Ensemble Concerto Italiano Suiten von drei Vertretern der Familie Bach eingespielt: Neben den vier Orchestersuiten von Johann Sebastian gibt es jeweils eine Suite von Johann Ludwig und Johann Bernhard Bach zu hören.

Gute Kombination

Diese Programmkonzeption geht gut auf. Die beiden Werke der Thüringer Verwandtschaft passen stilistisch ganz hervorragend zu den bekannten Suiten des Leipziger Thomaskantors und sind aufgrund ihrer hohen kompositorischen Qualität alles andere als Lückenfüller. Ganz im Gegenteil: Gerade in der etwas knapperen und konzentrierteren Form gelingt es Ludwig und Bernhard Bach ausgezeichnet, musikalische Gedanken auf den Punkt zu bringen. Bei Johann Bernhard erscheint manch Tanzsatz sogar noch ein wenig französischer als bei Johann Sebastian Bach.

Gemischte Eindrücke

Concerto Italiano gelingt zwar eine gute Ensembleleistung mit vielen schönen Klangmomenten, aber dennoch bleiben etliche Wünsche offen. So geraten die langsamen Einleitungen der meisten Eingangssätze zu behäbig. Man wünschte hier weniger getupfte Akkorde, sondern mehr flirrende Spannung. Auch in etlichen Tanzsätzen bleibt das für die französische Barockmusik so wesentliche Element des Rhythmischen unbelichtet.

Außerdem hätten in den beiden groß besetzten Suiten von Johann Sebastian Bach (BWV 1068 und 1069) die unterschiedlichen Farbschichten des Orchesters (Trompeten, Oboen, Streicher, Continuo) differenzierter herausgearbeitet werden können.

Hervorgehoben werden soll aber in jedem Fall die überlegene und klug gestaltete Interpretation der h-Moll-Suite durch die Flötistin Laura Pontecorvo.

Bernhard Schrammek, rbbKultur

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