Kate Lindsey: Arianna © alpha
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Gesang - Kate Lindsey: "Arianna"

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Die verlassene Ariadne, die von Theseus sitzengelassen auf Naxos versauert – diesen Stoff kennen wir vor allem von Richard Strauss. Doch auch schon vorher war die klassische Sage ein beliebtes Thema für große Komponisten. Arianna, so heißt ein neues Album mit der US-amerikanischen Mezzosopranistin Kate Lindsey.

Mal nicht das erwartbare Arienkonglomerat aus großen und vergessenen Ariadne-Opern, sondern   Solokantaten mit Orchesterbegleitung, und zwar von Alessandro Scarlatti (dem Vater des berühmten Klavierkomponisten Domenico Scarlatti), Händel und Haydn.

Zugaben: Ein bisschen wird hier geflunkert. Denn weder hat Händels Kantate "Ah Crudel" irgendetwas mit Ariadne zu tun (hier klagt eine anonyme Dame vor sich hin), noch ist Haydns "Anianna a Naxos" eine originale Orchesterkantate.

Aber das macht gar nichts. Die Instrumentierung letzter wurde 1808 vom Haydn-Schüler Sigismund Neukomm besorgt, und zwar so farbenprächtig, dass sie auch von Johann Simon Mayr oder dem jungen Rossini stammen könnte. Und Händel ist eben Händel, ob da nun Arianna dransteht oder nicht.

Überhaupt – es gibt wenige CDs im Jahr, bei denen man nach 15 Sekunden Reinhören, egal mit welchem Track man beginnt, weiß: das kann nur genial sein. Dies ist eine davon. Wie sagt der Dichter Abraham Merritt so schön: "Es braucht keine Galerie von Raffael-Bildern, um festzustellen, dass der Man ein Genie war. Eins genügt."

Stimmwunder Kate Lindsey

Denn Kate Lindsey ist für mich ein wirkliches Stimmwunder – man muss schon zurückgehen bis zur jungen Bartoli, um diese Agilität, diese Sinnlichkeit bei einem Mezzo zu hören. Das ist eine Opernstimme par excellence, diese Frau vibriert vor Leben, ist geradezu durchtränkt von Emotionen. Das bekommt gerade diesen Kantaten gut, die ja eigentlich nicht szenisch sind, sondern konzertant aufgeführt wurden. Außerdem ist die Stimme technisch absolut stupend, Kate Lindsey kann ihren Mezzo komplett steuern vom beeindruckenden Triller bis hin zum schlittschuhbahnglatten vibratolosen Ton.                                    

Und Arcangelo unter Jonathan Cohen ist für mich spätestens seit der Konzertarien-CD mit Christiane Karg ("Scene!") einer der großen Sänger-Begleit-Klangkörper in Klassik und Barock – die hohen Erwartungen an das schlagkräftige Ensemble werden hier in keiner Weise enttäuscht.

Matthias Käther, rbbKultur

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