Marc-Antoine Charpentier © Alpha
Bild: Alpha

Kammeroper und Kantate - Marc-Antoine Charpentier: "Orphée aux enfers"

Bewertung:

Unvollendete Charpentier-Oper mit belgischem Doppel

Was für eine fantastische Parabel auf die Macht der Musik: Mit seinem unvergleichlichen Gesang gelingt es Orpheus, in die Unterwelt vorzudringen, alle Dämonen zu besänftigen und den sonst unnachgiebigen Pluto zu erweichen, ihm seine geliebte Eurydike zurückzugeben. Kein Wunder, dass viele Komponisten der Musikgeschichte diesen Mythos als Ausgangspunkt für die verschiedensten Werke gewählt haben. Marc-Antoine Charpentier, in Italien geschulter französischer Barockkomponist, hat gleich zwei sehr eindrucksvolle Orpheus-Kompositionen geschrieben: eine Kantate und eine (unvollständig überlieferte) Kammeroper.

Vox Luminis und A Nocte Temporis

In einer Koproduktion zweier in Belgien beheimateter Ensembles sind diese beiden Meisterwerke nun eingespielt worden: Vox Luminis unter Leitung des Bassisten Lionel Meunier und A Nocte Temporis unter Leitung des Tenors Reinoud van Mechelen. Die tiefe Verwurzelung beider Ensembles in der französischen Barockmusik ist jederzeit spürbar, in den Verzierungen, den Phrasierungen und im Zusammenspiel zwischen vokalen und instrumentalen Stimmen.

Herausragend: Reinoud van Mechelen

Diesen Orpheus muss man einfach in die Unterwelt eintreten lassen! Reinoud van Mechelen ist der unbestrittene Gesangsstar dieser Produktion. Seine weiche, warme und unmittelbar nahegehende Stimme ist tief beeindruckend und verkörpert absolut glaubwürdig den antiken Sänger, der das Unmögliche durch Gesang möglich macht. Andere Solisten aus dem Kreis von Vox Luminis machen ihre Sache auch sehr gut, sind aber im Ensemble am überzeugendsten. Hier ergibt sich ein beglückend homogener Klang.

Bernhard Schrammek, rbbKultur

Weitere Rezensionen

Sélim Mazari: Beethoven Variations © mirare
mirare

Klavier - Sélim Mazari: Beethoven Variations

Komplexe Variationen über einfache Themen waren ein Grundpfeiler in Ludwig van Beethovens Schaffen. Vier Zyklen stellt der französische Pianist Sélim Mazari in den Mittelpunkt seines hervorragend aufgenommenen Albums.

Bewertung:
Paul Tortelier: RIAS Recordings © audite
audite

Berlin 1949-1964 - Paul Tortelier – RIAS Recordings

Das ist lange her. Auf drei CDs sind die gesammelten "RIAS Recordings" des französischen Cellisten Paul Tortelier erschienen – Aufnahmen aus den späten 40er bis mittleren 60er Jahren. Wer ist Paul Tortelier?

Bewertung:
Raquel Andueza, El baile perdido © Anima e Corpo
Anima e Corpo

Tanz-Lieder aus Spanien um 1600 - Raquel Andueza: "El baile perdido"

Gesungene Tanzlieder waren während des 16. Jahrhunderts in der spanischen Volksmusik überaus beliebt. Weil der Inhalt der Texte allerdings der dominierenden katholischen Kirche zu frivol und obszön erschien, wurden diese populären Tanzlieder kurzerhand bei Strafe verboten. Dadurch wurde aus einer sehr aktiven plötzlich eine verborgene und später eine vergessene Musikpraxis.

Bewertung: