Stefan Litwin Programs VI: American Mavericks © Telos
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Charles Ives | John Cage | Frederic Rzewski - Stefan Litwin: "Programs VI: American Mavericks"

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Stefan Litwin, 1960 in Mexiko City geboren und in Berlin lebend, ist nicht nur Pianist, sondern auch Komponist, Musikanalytiker und Professor für Interpretation. Seine Konzertprogramme sind immer klug und stimmig komponiert – ebenso seine CD-Reihe "Programs". Das 6. Album der Reihe widmet sich unter dem Titel "American Mavericks" drei Pionieren der amerikanischen Moderne.

Charles Ives kann als Vater einer eigenständigen US-amerikanischen Moderne gelten. John Cage hat die Prämissen der westlichen Moderne mit seinen aleatorischen, also den Zufall integrierenden, Werken erschüttert. Und der 1938 geborene Frederic Rzewski ist ein dezidiert politisch denkender Rebell, dessen Variationenzyklus über das chilenische Protestlied "El pueblo unido jamas sera vencido" – "Das vereinte Volk wird niemals besiegt werden" – Stefan Litwin schon in den 80er Jahren in Deutschland bekannt gemacht hat.

Eisenketten und Hämmer

Erstmals auf CD eingespielt hat Litwin nun Rzewskis Variationenzyklus "A Long Time Man" für Klavier und Orchester über ein Lied einer Sträflingskolonne. Gewaltsam lässt das Sinfonie Orchester Saarbrücken unter Brad Lubman die ungewöhnliche Orchesterkadenz aus der Variationenform ausbrechen. Eisenketten und Hämmer kommentieren die von den meist afroamerikanischen Sträflingen verrichtete Zwangsarbeit drastisch. In Rzewskis "Coming Together" ist Litwin nicht nur als Pianist, sondern auch als Sprecher zu erleben, der aus einem Brief des Vietnamgegners und Terroristen Sam Melville zitiert, der im berüchtigten Zuchthaus "Atticca" einsaß.

Würfelspiele

In seinem Konzert für präpariertes Klavier und Kammerorchester von 1951 hat Cage das musikalische Material der Orchesterstimmen durch Zufallsprinzipien generiert. Die Partitur ist jedoch ausnotiert und die Musik erinnert in ihrer Konzentration auf Einzelereignisse, ihrer Farbigkeit und ihrer Fragilität noch ein wenig an Anton Webern.

Pionier einer neuen musikalischen Freiheit

Ein überbordend fantasievoller, anarchischer Freiheitsgeist bricht sich in Charles Ives 2. Klaviersonate "Concord, Mass. 1840-1860" Bahn: Stile, Zitate und Kompositionsprinzipien werden wild montiert und übereinandergeschichtet, darunter Beethovens "Schicksalmotiv" und der Anfang seiner Hammerklaviersonate, schottische Volksweisen, patriotische Lieder und der Hochzeitsmarsch aus "Lohengrin". Wie virtuos, verwandlungsfähig und idiomatisch Litwin dieses Stück, das lange Zeit als unspielbar galt, gelingt, ist atemberaubend.

Julia Spinola, rbbKultur

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