Kitgut Quartet: Tis too late to be wise; Montage: rbbKultur
Bild: harmonia mundi

Werke für vier Streicher - Kitgut Quartet: "Tis too late to be wise"

Bewertung:

Werke für vier Streicher von Henry Purcell, Matthew Locke, John Blow und Joseph Haydn.

Das Kitgut Quartet spürt den Ursprüngen des Streichquartetts nach

Gibt es einen Erfinder des Streichquartetts? Natürlich nicht, diese Gattung hat sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts aus den Vorarbeiten verschiedenster Komponisten in ganz Europa entwickelt. Papa Haydn war es dann vorbehalten, diese Tendenzen des vierstimmigen Zusammenspiels von Streichinstrumenten in eine Form zu bringen, die dann zur Modegattung wurde.

Ehrgeiziges Projekt des Kitgut Quartets

Erst vor wenigen Jahren haben sich vier herausragende Musiker der französischen Alte-Musik-Szene zum Kitgut Quartet zusammengeschlossen. Von Anfang an war klar, dass dieses Quartett nicht das herkömmliche Repertoire herunterspielen wird. Nun haben die vier Franzosen ihre Debüt-CD als Quartett vorgelegt und damit den Grundstein für ein vierteiliges Projekt gelegt, das nach den Ursprüngen des Streichquartetts sucht. Zusammengestellt wurden auf dieser ersten CD englische Kompositionen des späten 17. Jahrhunderts, an denen vier Streicherstimmen weitgehend gleichberechtigt beteiligt sind. Kontrastiert wird diese Barockmusik mit einem reifen Streichquartett von Joseph Haydn. Kann das gut gehen? Immerhin liegen rund 100 Jahre zwischen den Werken.

Überzeugendes Konzept in bester Qualität

Ja, es funktioniert sogar bestens. Das Haydn-Quartett fällt nicht als Exot aus dem barocken Rahmen, sondern wirkt hervorragend eingebettet: Ein Curtain Tune von Locke oder eine Pavan von Purcell könnten auch als langsame, ausdrucksstarke Einleitungen eines klassischen Quartetts durchgehen; manch barocker Tanzsatz lässt sich nahtlos mit dem Haydn-Menuett fortsetzen. Entscheidend für diese verblüffenden Verbindungen ist aber die hochkonzentrierte und makellose Interpretation durch das Kitgut Quartet. Kontraste werden enorm geschärft, rhythmische Strukturen bestens herausgearbeitet, Tempi forciert. Hinzu kommt ein wunderbar homogener Gesamtklang auf der Basis der Darmsaiten ("Kitgut"). Die Vorfreude auf die kommenden drei Folgen, die sich der französischen, italienischen und deutschen Tradition widmen werden, ist groß.

Bernhard Schrammek, rbbKultur

Weitere Rezensionen

Sélim Mazari: Beethoven Variations © mirare
mirare

Klavier - Sélim Mazari: Beethoven Variations

Komplexe Variationen über einfache Themen waren ein Grundpfeiler in Ludwig van Beethovens Schaffen. Vier Zyklen stellt der französische Pianist Sélim Mazari in den Mittelpunkt seines hervorragend aufgenommenen Albums.

Bewertung:
Paul Tortelier: RIAS Recordings © audite
audite

Berlin 1949-1964 - Paul Tortelier – RIAS Recordings

Das ist lange her. Auf drei CDs sind die gesammelten "RIAS Recordings" des französischen Cellisten Paul Tortelier erschienen – Aufnahmen aus den späten 40er bis mittleren 60er Jahren. Wer ist Paul Tortelier?

Bewertung:
Raquel Andueza, El baile perdido © Anima e Corpo
Anima e Corpo

Tanz-Lieder aus Spanien um 1600 - Raquel Andueza: "El baile perdido"

Gesungene Tanzlieder waren während des 16. Jahrhunderts in der spanischen Volksmusik überaus beliebt. Weil der Inhalt der Texte allerdings der dominierenden katholischen Kirche zu frivol und obszön erschien, wurden diese populären Tanzlieder kurzerhand bei Strafe verboten. Dadurch wurde aus einer sehr aktiven plötzlich eine verborgene und später eine vergessene Musikpraxis.

Bewertung: