Ludwig van Beethoven: Die Klavierquartette; Montage: rbbKultur
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Kammermusik - Ludwig van Beethoven: Die Klavierquartette

Bewertung:

Bei Beethoven denken wir oft an ein schweres Schicksal, mühsames Ringen, grimmigen Humor, durch Taubheit bedingte Exzentrik. Dabei gibt es auch einen ganz anderen Beethoven – den Bonner Beethoven.

Übermütig, seiner Gaben sehr bewusst, scheint dieser uns zu sagen: Mir kann keiner was. Zum Beispiel in seinen drei frühen Klavierquartetten. Gerade einmal 15 Jahre war Beethoven alt und hatte in dieser Gattung kaum Vorbilder. Vermutlich kannte er Mozarts Klavierquartett, aber er hat schon eine ganz eigene Stimme.

Etwa im C-Dur Quartett beginnt es, wie bei Zeitgenossen, geschäftig mit Skalen und schönem Farbwirbel. Aber dann gibt es kesse Unterhaltungen, Spiegelfechtereien. Das könnte in einer komischen Oper vorkommen. Im langsamen Satz des D-Dur Quartetts kann man aber schon freie Improvisation, endlose Fantasie, eine Weitung des Raums wahrnehmen.

Im Vergleich ist das 1796 bei Ankunft in Wien komponierte Es-Dur Quartett ganz von Mozart inspiriert. Doch auch hier gibt es in Moll-Episoden ganz Neues zu hören. Die Einspielung des Klaviertrio Hannover mit Konstantin Sellheim ist am Klangideal von Originalinstrumenten orientiert, sehr musizierfreudig und auch klangtechnisch gut aufgenommen. Wer wirklich unterhaltsame Musik auf hohem Niveau hören will, kann Beethoven mal ganz anders kennenlernen.

Clemens Goldberg, rbbKultur

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