Franz Joseph Clement: Violinkonzerte Nr. 1 und 2; Montage: rbbKultur
Bild: Sony Classical

Kammermusik - Franz Joseph Clement: Violinkonzerte Nr. 1 und 2

Bewertung:

Das Beethoven-Jahr beschert uns nicht nur eine Flut von neuen Beethoven-Aufnahmen, sondern auch reizvolle Entdeckungen aus dem Umfeld. Der Wiener Geiger und Komponist Franz Joseph Clement hat zwei Violinkonzerte geschrieben, die ein neues Licht auf Beethoven und seine Originalität werfen.

Leider versperrt die langjährige Hör-Erfahrung mit Beethovens Violinkonzert die unvoreingenommene Begegnung mit dem ersten Konzert von Clement. Seine damalige Bedeutung kann man nur noch erahnen. Clement war ein Wunderkind und wurde zum Beispiel von Haydn auf seiner ersten London-Reise vorgeführt. Später galt er als wichtigster Geiger in Wien und leitete das Orchester des Theaters an der Wien. So hat ihn auch Beethoven kennengelernt.

In dem Konzert, in dem 1805 Beethovens Eroica-Sinfonie uraufgeführt wurde, kam auch Clements erstes Violinkonzert zur Premiere und hatte bei Publikum und Kritik den weitaus größeren Erfolg. Beethoven schrieb sein Violinkonzert ein Jahr später ausdrücklich für Clement und orientierte sich deutlich an dessen Konzert. Es ist somit zugleich Reminiszenz und Überbietung.

Ähnlichkeiten zu Beethovens Werk

An Clements erstem Konzert frappieren zunächst die Ähnlichkeiten zu Beethovens Werk. Darüber hinaus steht es noch mit einem Fuß in der barocken Fortspinnungs-Ästhetik und ist so ein faszinierendes Bindeglied zwischen den Epochen. Die Geigenstimme vollführt Girlanden und weite Linien und brilliert über dem Orchester.

Sein zweites Konzert komponierte Clement nach Beethovens Gegenstück. Hier wagte er mehr Dramatik und einen stärkeren Kontrast zwischen Solo und Orchester. Dennoch zieht sich ein lieblicher Ton durch das ganze Stück, der charakteristisch für Clement gewesen sein soll.

Mirijam Contzen; © Jo Kircher/Sony
Mirijam Contzen | Bild: Jo Kircher/Sony

Unterhaltend, aber nicht fesselnd

Mirijam Contzen agiert wunderbar leichthändig und flüssig und strahlt eine Erhabenheit aus, die sie immer ein wenig vom Orchester abhebt. Ein inniges Zusammenspiel und dramatische Steigerungen kommen so leider nicht zu Stande. Das Dirigat von Reinhard Goebel fördert auch eher die sachliche, beinahe akademische Auseinandersetzung als die Identifizierung.

So bleibt die Aufnahme ein hochinteressantes Zeitdokument, das gut zu überraschen und zu unterhalten weiß, aber nicht wirklich fesselt.

Dirk Hühner, rbbKultur

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