Kharachaturian: Klavierwerke © BIS Records
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Solist - Khachaturian: Klavierwerke

Bewertung:

Man kennt von ihm den "Säbeltanz" – aber ansonsten verbindet man mit dem sowjetisch-armenischen Komponisten Aram Khachaturian hierzulande kaum etwas. Der 28 Jahre alte jordanische Pianist Iyad Sughayer bricht nun mit seiner Debüt-CD eine Lanze für ihn.

Das interessanteste Werk auf dieser CD ist Khachaturians Klaviersonate: ein spätes Stück, das er 1961 komponiert und bis zu seinem Tod im Jahr 1978 immer wieder überarbeitet hat. Iyad Sughayer eröffnet sein Programm mit Khachaturians später Klaviersonate: ein auch pianistisch hoch-anspruchsvolles Stück, dessen rasanter Kopfsatz eine Anspielung auf den berühmten "Säbeltanz" aus "Ganayeh" realisiert. Sughayer wirft sich mit Verve in die Motorik dieser Musik und schlägt ein atemloses Tempo an. Zugleich bleibt sein Spiel glitzernd klar, klangschön und rhythmisch gestochen präzise. Vor allem widersteht er der Versuchung, ein reines Bravourstück aus dem Satz zu machen.

Schwebende Harmonik

Der Gegenpol zur rhythmisierten Motorik im impressionistisch angehauchten langsamen Teil des zweiten Satzes wird wunderbar farbenreich ausgespielt.

Die von der armenischen Folklore beeinflusste, schwebende Harmonik und die beinahe improvisiert wirkende, verschlungene Melodik über den Pedalnoten der linken Hand haben eine gewisse Nähe zur traditionellen arabischen Musik – was den jordanischen Pianistin inspiriert haben mag.

Vergoldete Kinderstücke

Nicht ganz auf der gleichen kompositorischen Höhe bewegen sich die Stücke aus einer früheren Schaffensperiode Khachaturians: Zwei Tänze und ein Poem – beide aus den Zwanziger Jahren. Aber Sughayer spielt so sorgfältig und charaktervoll, dass er auch dieses Stück vergoldet. Interessanterweise hat Sughayer auch Khachaturians klavierpädagogischem Oeuvre recht viel Platz eingeräumt: seinem Kinderalbum und einer, allerdings wenig inspirierten, Sonatine. Den Abschluss macht seine brillante Interpretation der virtuos klingenden Toccata. Ein spannendes Debüt.

Julia Spinola, rbbKultur

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