Paul Tortelier: RIAS Recordings © audite
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Berlin 1949-1964 - Paul Tortelier – RIAS Recordings

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Das ist lange her. Auf drei CDs sind die gesammelten "RIAS Recordings" des französischen Cellisten Paul Tortelier erschienen – Aufnahmen aus den späten 40er bis mittleren 60er Jahren. Wer ist Paul Tortelier?

Paul Tortelier (1914 – 1990) war der wichtigste Cellist der französischen Schule der Nachkriegszeit – neben (dem noch etwas bedeutenderen) Pierre Fournier. Schon 1947 machte Tortelier sich ins noch reichlich kaputte Berlin auf; gewiss auch in Anlehnung an die Bedeutung der Musikstadt in der Vorkriegszeit; wo sowohl Arthur Rubinstein (mit dem er jahrelang ein wichtiges Trio bildete) wie die meisten anderen Musiker seiner Zeit debütiert hatten.

Bereitschaft zur Unverwechselbarkeit

Immer wenn Tortelier in den Folgejahren kam, wurde er sofort vom RIAS für Aufnahmen abgezweigt – meist mit dem erst im letzten Dezember verstorbenen Pianisten (und späteren Berliner Hochschullehrer) Lothar Broddack als Begleiter. Es waren ersichtlich Auftragsarbeiten (von 1949 bis 1964). Mit Bach etwa (kurz bevor er sich mit Pablo Casals anfreundete) fremdelt Tortelier 1949 noch hörbar. Superb dagegen seine ausgewählten Beethoven-, Brahms-, Mendelssohn-, Fauré-, Kodaly- und Casella-Sonaten.

Tortelier selbst erklärte den französischen Stil seines Spiels mit einer "subtilen, nervösen" Bogenhand. Der fragile, elegante und sehr freie Ton wurde also von der Rechten generiert. Die heute vielfach anzutreffende Bewunderung für Tortelier (und für Fournier) rührt wohl daher, dass der auf großen Ton und stilistische Universalität geeichten Gegenwart nichts so fern steht wie Torteliers Spezifik und Bereitschaft zur Unverwechselbarkeit.

Topsolide

Einige Aufnahmen entstanden sogar noch im alten Kleistsaal. Nicht nur hinsichtlich der französischen Cellistenschule, sondern auch als Berliner Dokument ein höchst schätzenswertes, gewohnt topsolide aufgemachtes Audite-Set. Übrigens war Tortelier – als Lehrer von Jacqueline du Pré – 1967 Trauzeuge bei der Hochzeit du Prés mit Daniel Barenboim. Noch ein halbberliner Aspekt also ... Noch bis 1989 war er in Berlin zu Gast – teilweise gemeinsam mit seinem in Berlin als Dirigent wirkenden Sohn Yan-Pascal Tortelier (beim damaligen SOB etc.).

Kai Luehrs-Kaiser, rbbKultur

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