A Schubertiade with Arpeggione; Montage: rbbKultur
Bild: Ricercar

Kammermusik - "A Schubertiade with Arpeggione"

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Die Arpeggione-Sonate von Franz Schubert ist eines seiner beliebtesten Werke und wird fast immer auf dem Cello gespielt. Nun weckt der Gamben-Virtuose Guido Balestracci den wahren Arpeggione-Klang und arrangiert zugleich eine völlig unhistorische "Schubertiade" mit historischen Instrumenten.

Der Arpeggione ist eine Wiener Erfindung, auf deren Siegeszug Schubert fälschlicherweise gesetzt hat. Als Kreuzung aus Gitarre und Cello hat er etwa die äußere Form einer Gitarre, wird aber senkrecht vor dem Körper mit einem Bogen gestrichen. Anders als ein Cello besitzt er Bünde am Hals und daher klar definierte Tonhöhen. Unter den schönen Namen "Guitarre d'amour" oder "Sentimentalgitarre" hatte er eine sehr kurze Blütezeit.

Der Gambist Guido Balestracci ist ein Spezialist für historische Streichinstrumente und hat auch schon das von Haydn geschätzte Baryton zum Klingen gebracht. Den Arpeggione spielt er wie eine Gambe mit leichtem, von unten gefassten Bogen und entlockt ihm die sanftesten und lieblichsten Töne, die man je von diesem Instrument gehört hat.

Begleitet von einem originalen Broadwood-Flügel spielt Guido Balestracci die Arpeggione-Sonate ganz gesanglich und auf Innigkeit bedacht. Beide Instrumente ergänzen sich in ihrem leicht näselnden Ton hervorragend und verbreiten eine biedermeierlich intime Atmosphäre. Für den Rest der CD hat das Ensemble L'Amoroso Tänze und Lieder für verschiedene Kombinationen aus Gitarre, Laute, Klavier, Arpeggione und Gesang arrangiert. Dazu kommt als zweites größeres Stück die Violin-Sonatine D-Dur in einer eigenwilligen Arpeggione-Gitarren-Version.

Präzise und mit Feingefühl

So, wie es wahrscheinlich auch bei den Zusammenkünften der Schubert-Freunde war, stellt sich durch den Wechsel der Instrumente und Stile eine Art Session-Atmosphäre ein, wo jeder mal mitmachen darf. Der Gitarrist des Ensembles, Éric Bellocq, beruft sich bei seinen Arrangements auf Liszt und auf zeitgenössische Gitarristen, die Schubert für ihre Belange übersetzt haben.

Ein irritierender Effekt wird dadurch verursacht, dass hier historische Instrumente gespielt werden und ein geschichtlicher Klang suggeriert wird, den es so nie gegeben hat. Dass dabei nie die Grenze zur Fake-Historie überschritten wird und die Freude am Musizieren im Mittelpunkt steht, macht diese CD hörenswert. Sie steht auch für einen neuen, freieren Umgang mit klassischer Musik. Alles nicht zu ernst, aber präzise und mit Feingefühl.

Dirk Hühner, rbbKultur

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