Pergolesi Stabat Mater @ alpha classics
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Geistliche Werke - Giovanni Battista Pergolesi: Stabat Mater

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Das Stabat Mater von Pergolesi gehört zu den berühmtesten und einflußreichsten geistlichen Werken der Musikgeschichte. Jetzt ist eine neue Aufnahme beim Label Alpha erschienen, eingespielt hat das Werk Christophe Rousset mit seinem Ensemble "Les Talens lyriques".

Pergolesis Stabat Mater ist ein Abschiedswerk, er wurde nur 26 Jahre alt und hat es in seinen letzten Lebenswochen komponiert. Parallelen zu Mozart drängen sich auf: Ganz ähnlich wie Mozart war Pergolesi ein genialer Opernkomponist, der seine Erfahrungen hier einbringen konnte. Und in einer Hinsicht war er besser dran als später Mozart – er hat es geschafft, das Werk zu vollenden. Es verbreitete sich dann rasend schnell in Abschriften und Bearbeitungen.  

Der opernhafte Stil hat sofort Aufsehen erregt und damals zu hitzigen Diskussionen zwischen orthodoxen und reformverliebten Musikkennern geführt, besonders einige Jahre später in Paris beim berühmten Buffonisten-Streit. Sieht man genauer hin, stellt sich nämlich heraus, dass man Pergolesis Stabat Mater auch als kleine einaktige geistliche Oper betrachten kann, ähnlich wie seine "Serva Padrona" – ein kleines Streichorchester, kein Chor, nur zwei Stimmen, Sopran und Kontralto, die abwechselnd Arien und vor allem Duette singen.

Auffallend auch eine provokant opernhafte Asymmetrie, die 12 Sätze bestehen aus 7 Duetten,  einer Sopranarie und drei Alt-Arien. Natürlich war das nicht völlig neu, aber dies ist doch der erste Welterfolg eines hörbar weltlichen Werks in geistlichem Gewand.

Interessante Bonus - Kantaten

Die tiefempfundene Musik durchläuft hier eine so radikale schwindelerregende Palette von Emotionen, wie man sie später eigentlich so extrem in Haydns späten Messen wieder erlebt – es gibt hier durchaus neben wirklich aufwühlenden Nummern sehr beschwingte, fast buffoneske Passagen – und Dirigent Christophe Rousset denkt durchaus nicht daran, diese Kontrastwirkung abzuschwächen, er arbeitet sie im Gegenteil heraus.

Mit ca. 40 Minuten ist das Werk recht kurz für eine CD und wird deswegen oft und gern ergänzt – diesmal mit zwei Solo-Kantaten für beide Solisten. Die beiden Werke stammen von Leonardo Leo und Nicola Porpora, beide gehören wie Pergolesi zur Neapolitanischen Schule. Eine schöne Idee, weil so nach dem Stabat Mater kein Stilbruch entsteht.

Trostmusik – gerade jetzt

Die sehr kleine Streicherbesetzung ist nicht gerade eine Steilvorlage, um sich als Klangkörper effektvoll herauszustellen. Das berühmte Ensemble Les Talens lyriques kann hier kaum mit Extravaganzen oder aufregenden Farben glänzen. Aber der geniale Christophe Rousset schafft es dann doch, hier Akzente zu setzen, eben mit interessanten Tempi und mit einer wirklich fabelhaften Diskretion.

Es ist wirklich erstaunlich, wie wandlungsfähig dieser Dirigent ist: vor kurzem seine phänomenale Gounod-Faust-Einspielung, die nun alles andre als diskret war, sondern herrlich knallig und effekthascherisch, hier eher der zurückhaltende Meister der feinen Halbschatten. Mein Respekt vor der Wandlungsfähigkeit Roussets und seines Ensembles wächst mit jeder neuen Aufnahme.

Der Counter Christopher Lowrey bringt einen herben Kontrast in die sehr süße Musik, raut mit seinem Timbre den Wohlklang etwas auf, setzt sich gut ab gegen den Zucker des Soprans, gerade in den Duetten. Beide Sänger sind sehr gute Techniker – und so kommt diese Veröffentlichung gerade recht in schweren Zeiten wie diesen – mit den gigantischen Gefühlsamplituden zwischen Trauer und Hoffnung richtige Trostmusik.

Matthias Käther, rbbKultur

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