Ludwig van Beethoven, Kantate auf den Tod Joseph, ©Naxos
Bild: Naxos

Kantaten - Ludwig van Beethoven: "Kantate auf den Tod Kaiser Josefs II"

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Beethoven als Vokalkomponist – da denkt man sicher vor allem an weltberühmte Werke wie Fidelio, Missa solemnis oder die Ode an die Freude. Doch Beethoven hat ein sehr umfangreiches Gesangs-Werk hinterlassen, darunter auch wenig Bekanntes. Zwei Kantaten des jungen Beethoven sind nun erschienen beim Label Naxos.

Bemerkenswerte Jugendwerke aus der Bonner Zeit – zwei Kantaten, die zusammengehören und eine Einheit in zwei Teilen bilden. 1790 starb der große Reform-Kaiser Jospeh II, und nach ihm wurde Leopold II gekrönt – und für beide Anlässe hat Beethoven je eine Kantate komponiert. 19 Jahre war er da alt, und die Musik lässt schon viel von dem Großen ahnen, das dann kommt. Vieles bleibt rätselhaft an diesen beiden Kantaten – sie wurden höchstwahrscheinlich nie aufgeführt.

Vielleicht war irgendwer mit Beethoven nicht zufrieden, oder Beethoven wurde nicht rechtzeitig fertig. Fest steht, dass die Trauerkantate erst 1884 uraufgeführt wurde, die Krönungskantate wohl gar nicht im 19. Jahrhundert. Aber immerhin hat Haydn die Trauerkantate gekannt, Beethoven zeigte sie ihm zwei Jahre später - und das ist erstaunlich, weil Beethoven in einigen Ariosi viel von dem vorwegnimmt, was Haydn später in seinem Oratorium „Die Schöpfung“ umsetzen wird. Auch gibt es Anklänge an Fidelio und andere eigene reifere Werke; das reifste Stück ist vielleicht ein Terzett in der Krönungskantate, eindeutig mit Fidelio-Touch.

Durch und durch finnisch

Eins ist klar: Es gibt eigentlich keine echten Beethoven-Raritäten mehr, dazu ist der Name zu groß und das Werk zu überschaubar – und wenn man im Beethoven-Jahr 2020 auf den Markt schaut, haben wir vier oder fünf Boxen mit seinem Gesamtwerk in Angebot, zum Teil zu Schnäppchenpreisen. Dort finden sich diese Werke natürlich.

Es gibt Vorgängeraufnahmen von Rang – Clemens Krauss hat die Trauerkantate 1950 eingespielt, Christian Thielemann in den 1990er Jahren. Aber viel ist derzeit als Einzel-CD nicht auf dem Markt, und insofern ist eine Neueinspielung dieser wirklich schönen Musik durchaus willkommen.

Das ist eine durch und durch finnische Produktion, und das merkt man auch in der Aussprache, wobei die Texte von Severin Averdonk zum Teil so unfreiwillig komisch sind, so dass ich zuweilen ganz dankbar war, nicht alles verstehen zu können. Düsterer sieht es schon aus mit der zum Teil sehr dicken, starren, recht behäbigen Interpretation, sowohl was Solisten und Orchester angeht.

Diese Art Beethoven zu zelebrieren hat in Zeiten historisch informierter Auffühungspraxis doch einen etwas konservativen Zug; die Grenze zur Stilwidrigkeit wird einige Male überschritten. Es wagnert gehörig in dieser Aufnahme. Besonders deutlich wird das bei der Wahl der Sopranistin Reeta Haavistoo, eine schwere Stimme heroischem Vibrato. Das verdirbt die Trauerkantate nicht unerheblich, zumal die große Chorarie sich hier von einem geschmackvollen oratorischen Glanzstück zu einer Art Kitsch-Gounod mit Chorgesumme mutiert. Mein Geschmack ist das nicht.

Hier wächst zusammen, was zusammengehört

Glücklicherweise sind beide Kantaten mit unterschiedlichen Solisten aufgenommen worden, und die zweite, die Krönungskantate, ist deutlich besser besetzt. Trotz Leif Segerstams etwas behäbiger Herangehensweise ist es zu begrüßen, dass ein erschwingliches Label wie Naxos beide Werke nun als Solo-CD im Repertoire hat, fürs Kennenlernen und als Platzhalter ist das durchaus passabel, zumal Naxos hier auch damit punkten kann, dass beide Kantaten zusammen als Gesamt(kunst)werk präsentiert werden (was selten genug passiert).

Denn sie gehören zusammen, die zweite Kantate schließt inhaltlich direkt mit einem Rezitativ an die erste an – und es entspricht auch Beethovens Kontrast-Denken, dass der Beschreibung der Trauer der optimistische Blick nach vorn folgt, wenn sich im Rückblick Leopold auch als der unbedeutendere und weniger fortschrittliche Kaiser erwiesen hat.

Matthias Käther, rbbKultur

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