NeoBarock: "Metamorphose" © ambitus
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Alte Musik - "Metamorphose"

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Bach-Metamorphosen mit NeoBarock

Um das Publikum im Caféhaus Zimmermann in Leipzig abwechslungsreich zu unterhalten, musste Johann Sebastian Bach für die wöchentlichen Konzerte seines Collegium musicum eine Menge Repertoire bereithalten. Es ist ganz klar, dass er hierbei auch regelmäßig auf ältere Werke zurückgegriffen hat. Allerdings nahm er bei solchen Wiederaufführungen häufig Veränderungen vor, um die Stücke aktuellen Besetzungen anzupassen oder aber, weil ihm eine Umarbeitung aus stilistischen Gründen sinnvoll erschien. Da uns heute in vielen Fällen nur die späten Fassungen dieser Instrumentalwerke erhalten sind, darf über eventuelle Urfassungen spekuliert werden.

Triosonaten als Ursprung

Die Bachforschung vermutet schon länger, dass etliche dieser Instrumentalwerke Bachs auf Triofassungen zurückgehen, also auf Werke für zwei Melodieinstrumente und Basso continuo. Maren Ries, die erste Geigerin im Ensemble NeoBarock, hat das ganz konkret rekonstruiert und zwei Sonaten für Gambe und Cembalo, eine Sonate für Violine und Cembalo sowie das "Doppelkonzert" d-Moll von Bach in Triosonaten umgewandelt. Erklärtes Ziel ist es dabei, den Kompositionsprozess Bachs ans Tageslicht zu holen und möglicherweise besser zu verstehen.

Neues Klangbild

In der Tat bieten die so neu gewonnenen Triosonaten einiges an Vorteilen: Die beiden Oberstimmen sind klanglich gleichberechtigt und so besser wahrnehmbar als in der Fassung mit obligatem Cembalo, wo der klangliche Ausgleich nicht immer gegeben ist. Freilich geht dabei die führende Position eines Streichinstruments (vor allem der Gambe) verloren. Die Reduktion des Doppelkonzerts d-Moll auf Triobesetzung steht der bekannten Orchesterfassung hinsichtlich Originalität und Abwechslungsreichtum in nichts nach. Die Musiker*innen von NeoBarock spielen diese Triosonaten mit großem Engagement, frischen Tempi und sehr guter Homogenität. An einigen wenigen Stellen ist die Intonation zwischen den beiden Violinen nicht ganz astrein, der Klangeindruck insgesamt ist aber sehr positiv.

Bernhard Schrammek, rbbKultur

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