Mieczyslaw Weinberg Klarinettenkonzert © Naxos
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Klarinette und Klavier - Mieczyslaw Weinberg: "Klarinettenkonzert op.104"

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Der Solo-Klarinettist der Dresdner Staatskapelle Robert Oberaigner hat sich längst auch als Solist einen Namen gemacht. Gemeinsam mit dem Dirigenten Michail Jurowski, dem Vater von Vladimir Jurowski (Chefdirigent des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin), hat er nun Klarinettenwerke des polnischen Komponisten Mieczysław Weinberg eingespielt.

Als Mieczysław Weinberg im Jahr 1996 in Moskau starb, war er im Westen ein nahezu Unbekannter. Allmählich verbindet man auch hierzulande etwas mit seinem Namen. Den Anstoß dazu gab die posthume Uraufführung von Weinbergs Oper "Die Passagierin" bei den Bregenzer Festspielen vor 10 Jahren, eine Oper nach der autobiographischen Novelle einer Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz. Weinberg selber hat die Schrecken der NS-Zeit am eigenen Leib erlebt.

Eine unwirkliche Vision

Die Sonate für Klarinette und Klavier op. 28 entstand 1945, nicht lange, nachdem Weinberg aus Warschau nach Moskau geflüchtet war. Dort erfuhr er erst nach dem Krieg von der Ermordung seiner Familie. Angesichts dieser Umstände mag man zunächst erstaunt sein, wie heiter der eröffnende Marsch in diesem Allegretto mit seinen Klezmer-Anklängen klingt. Aber hören wir genauer hin: Auch die alarmistisch-hochschrillenden Gesten haben hier ihren Platz. Im einfühlsamen Spiel von Oberaigner und Schöch klingt der Satz wie eine Erinnerung, wie eine unwirkliche Vision, in der sich die Ereignisse traumgleich überlagern. Das abschließende Adagio gleicht einem einsam und verloren klingenden Abgesang.

Nähe zu Schostakowitsch

In Weinbergs Klarinettenkonzert kann man eine deutliche stilistische Nähe zu Schostakowitsch hören, mit dem Weinberg eine enge Freundschaft verband. Die musikalische Beeinflussung beider Komponisten erfolgte allerdings in beide Richtungen und Weinberg hat, bei allen idiomatischen Anklängen auch an Mahler und an Prokofjew einen unverwechselbaren Personalstil entwickelt, der frei von jedem Sarkasmus ist, wie er für manche Werke Schostakowitschs und Prokofjews typisch ist. Den Schlusssatz des Klarinettenkonzerts spielen Oberaigner und die Dresdner Kammersolisten unter Michail Jurowski mit einer fast mozartischen Leichtigkeit.

Objektivierte Trauer

Auch die 4. Kammersymphonie, Weinbergs letztes vollendetes Werk erklingt in einer eindringlichen, hochpräzisen Interpretation. Michail Jurowski war mit Schostakowitsch befreundet und kannte auch Weinberg persönlich. Diese Vertrautheit kommt seiner Interpretation zugute. Es spricht eine tiefe Einsamkeit und Traurigkeit aus Weinbergs letztem Werk, das Ähnlichkeiten mit der kurz zuvor komponierten 21. Symphonie aufweist, der "Kaddish"-Symphonie. Den Interpreten gelingt es, jene gleichsam objektivierte Trauer, die Weinberg in Töne gesetzt hat, mit einer niederschmetternden Intensität umzusetzen: eine Musik, die sich zunehmend in solistische Einzelgesten auflöst.

Julia Spinola, rbbKultur

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