Anna Prohaska und Julius Drake, Paradise Lost © Alpha
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Lieder - Anna Prohaska und Julius Drake: "Paradise Lost"

Bewertung:

Auf ihrer neuen CD "Paradise Lost" verfolgt die in Berlin lebende Sopranistin Anna Prohaska das Geschick, genauer: den Sündenfall der Menschheit vom Paradies über die Erschaffung Evas bis hin zur Vertreibung ins irdische Leben. Sie singt – in sechs Abteilungen – Lieder von nicht weniger 20 Komponisten: von Purcell bis Aribert Reimann, von Schubert bis George Crumb, von Ravel und Bernstein bis zu Hanns Eisler.

Ein enorm selbstüberforderndes Programm, das denn auch konzeptuell knirscht. (Arkadien etwa, das irdische Paradies, wird in die Zeit vor dem Sündenfall eingeordnet, also mit dem sog. elysischen Paradies offenbar verwechselt.)

Das Erfordernis enormer Stilwechsel, das mit einem solchen Programm verbunden ist, schlägt die Sängerin selbstbewusst aus. Dass es sich um ein Lied Schuberts oder Messiaens handelt, erkenne ich oftmals nur an der (vorzüglichen) Begleitung durch den Pianisten Julius Drake. Prohaska selber zieht sich auf zunehmende Manierismen zurück (so zu einem für Ausdruckszwecke aktiviertes "Tellervibrato": ein expressives, leichtes Leiern der hohen Töne). Die Textverständlichkeit ist schwach. Kurzum: Von dieser CD hätte ich der Sängerin mit aller Kraft abgeraten – unerachtet einzelner, schöner Titel wie etwa Bernsteins "Silhouette", Strawinskys "Pastorale" und Charles Ives’ "Evening". Bleibt nur eines: Schwamm drüber!

Kai-Luehrs Kaiser, rbbKultur

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