Wilhelm Backhaus © Decca
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Kammermusik - Wilhelm Backhaus – The Complete Decca Recordings

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Der aus Leipzig stammende Pianist Wilhelm Backhaus (1884-1969) war einst die Beethoven- und Brahms-Autorität schlechthin – gilt aber heutzutage wohl eher als Inkarnation alten Eisens. Vielleicht auch deshalb, weil man seine Aufnahmen, die hier erstmals gesammelt erscheinen, nicht mehr recht kennt.

Sein Beethoven ist kantig, grantig und wie in Granit gemeißelt. Aber doch licht, lyrisch und geprägt von einem enorm glitzernden, klistallin hellen Ton. Dieses Paradox macht ihn unvergleichlich. Und führt auch bei Brahms zu einem so selbstverständlichen, unmittelbaren Brio, das man kennen sollte.

Der beste Beethoven-Interpret

Fragt man heute eine Pianistin wie Yuja Wang, wer der beste Beethoven-Interpret aller Zeiten war, so fällt der Name Backhaus sofort. Gefolgt ist man ihm kaum. Das liegt nicht unbedingt an der zweifellos fragwürdigen Weise, in der sich der Künstler in der NS-Zeit politisch vereinnahmen ließ. (1938 war er sogar Reichskultursenator; behielt allerdings – aller Umwerbungen der Nazis zum Trotz – die Schweizer Staatsangehörigkeit.) Ästhetisch stammte Backhaus aus noch älterer Zeit. Er hatte Brahms selber vorgespielt (der allerdings wenig interessiert war an diesem Wunderkind). Kronprinzessin Cecilie (für die Cecilienhof gebaut wurde) erteilte er Klavierunterricht.

 

Gesamtwerk

1969 in Ossiach erlitt er während eines Klavierabends einen Schwächeanfall (der Abend ist hier dokumentiert). Er spielte zwar nicht die gerade laufende Sonate, wohl aber das Recital im Ganzen zu Ende. Backhaus, der wenige Tage darauf starb, blieb ein Leben lang bei derselben Firma. So enthält diese Decca-Box fast sein Gesamtwerk (mit Ausnahme einiger verstreuter Live-Mitschnitte). Von seinem Beethoven können wir noch lernen.

Kai-Luehrs Kaiser, rbbKultur

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